Mein neues Buch: Etappen einer Flucht

Die Homepage zum Buch

Alle Informationen und Leseproben zum Buch, näheres über die Autorin und den Fotografen, Bilder die auf der Reise entstanden sind, sowie alle aktuellen Termine, Lesungen und News finden Sie auf dieser Website.

Wien Heute am 25.10.2016

„Wien heute-Redakteurin Nermin Ismail war als Dolmetscherin im Flüchtlingseinsatz und schildert in ihrem Buch „Etappen einer Flucht“ Geschichten einzelner Menschen.“

Interview mit dem Onlinemagazin islamIQ am 25.10.2016

Autoren schreiben problemlos hunderte Seiten, doch was passiert wenn sie ihr Buch auf seine Essenz herunterbrechen müssen? Unsere Serie „Nachgefragt“ liefert Antworten und stellt sowohl Buch, als auch den Autor dahinter vor. Heute mit Nermin Ismail.

Porträt im Kurier am 21.10.2016

Ob im Schlepperzentrum von Izmir, an der griechischen Küste, am ungarischen Bahnhof, an der slowenischen Grenze oder in österreichischen Unterkünften … Nermin Ismail verschafft den Hilfe suchenden Gehör.

Radio Wien Studiogespräch am 21.10.2016

 

 

Etappen einer Flucht: Porträt im Kurier

Sie sah viele Männer weinen

Nermin Ismail

Foto: KURIER/Franz GruberFreiwillige Helferin: Nermin Ismai war zwischen Izmir und dem Westbahnhof im Einsatz

Nermin Ismail gibt jenen eine Stimme, die sie auf der Flucht verloren haben.

Von Uwe Mauch

Persönliche Erfahrungen im Grenzbereich, etwa im Hafen der westtürkischen Stadt Ayvalık: Noch vor zwei Stunden hat sie mit Flüchtlingen aus Syrien und Afghanistan gesprochen. Über ihre bevorstehende Schlauchbootfahrt, die Angst, dass sie die griechische Insel Lesbos nicht lebend erreichen werden. Auch über ihr Leben vor der Flucht. Jetzt sitzt Nermin Ismail auf diesem großen fast menschenleeren Fährschiff, das sie zügig, gefahrenlos nach Europa bringt.

Aus dem Buch: Etappen einer Flucht. Zur einmaligen…

Foto: Simon van Hal

„Da ist mir bewusst geworden, wie privilegiert ich bin, dass ich nicht flüchten muss und selbst das Wort ergreifen kann“, sagt Ismail vor der Präsentation ihres Buchs Etappen einer Flucht (siehe auch unten). Die 25-jährige Dolmetscherin, Journalistin und Buchautorin wurde in Wien geboren, sie ist hier gut behütet aufgewachsen. „Meine Eltern waren zuvor von Kairo nach Österreich übersiedelt.“

Und immer wieder diese persönlichen Erfahrungen! Auch vor dem Grenzübergang Spielfeld, wo sie auf beiden Seiten der Zäune zuerst als junge Frau auf der Flucht wahrgenommen wurde – von den Wartenden im Pulk ebenso wie von den Kontrollierenden in den Uniformen. Doch im Gegensatz zu den Wartenden, für die die Politik inzwischen Obergrenzen eingezogen hat, kann sie sich in ihrer Mutter- und der Sprache der Österreicher perfekt mitteilen. Und einen Pass der Europäischen Union besitzt sie auch.

Aus dem Buch: Etappen einer Flucht. Zur einmaligen…

Foto: Simon van Hal

Die Vermittlerin kann sich noch gut erinnern: „Sobald ich etwas gesagt habe, hat sich das Blatt sofort gewendet.“ Für sie zum Guten: problemlos konnte sie all die Sperren, die Europa errichtet hat, passieren.

Sie sah auch Männer weinen

Eine weitere positive Erfahrung für Nermin Ismail: „Dass meine Sprachkompetenz als Chance begriffen wurde.“ Nicht nur von den Dienst habenden Beamten: „Endlich wurde ich gebeten, Arabisch zu sprechen.“ Endlich konnten aber auch arabisch sprechende Flüchtlinge loswerden, was sie seit Monaten bedrückt. Endlich hörte ihnen wer zu: „Ich erinnere mich an einen Mann, der immer wieder aus der Warteschlange austrat. Er sei auf der Suche nach seiner Tochter, erklärte er mir auf mein Nachfragen. Er hatte sie zuletzt im Schlauchboot in der Ägäis gesehen.“ Tränen. Sie sah auch Männer weinen: „Da musste ich meine eigenen Vorurteile revidieren. Manchmal habe ich mir gedacht, dass sie keine Übersetzerin benötigen, sondern viel mehr psychologische Betreuung.“

Simon van Hal…

Foto: Simon van Hal

Ehrenamtlich übersetzte Ismail in Wien am Westbahn- und am Hauptbahnhof, in Traiskirchen, in Nickelsdorf und Hegyeshalom. In Izmir und auf der Insel Lesbos arbeitete sie auch als Journalistin. Auf den Etappen ihrer persönlich gewählten Fluchtroute wurde sie von dem Fotografen Simon van Hal begleitet, dem es gelungen ist, die Menschen als Menschen und nicht nur als Fotomotive abzulichten.

Die Idee, ein Buch über ihre Erfahrungen zu schreiben, ist im Laufe ihrer Arbeit mit den Flüchtlingen entstanden: „Weil so viele Menschen mich gebeten haben, dass ich meinen Landsleuten erzählen soll, dass sie mit guten Absichten in ihr Land kommen wollen. Dass sie sich nach Demokratie und Gleichberechtigung sehnen und nicht nach einem Islamischen Staat. Ich wollte ihnen daher eine Stimme geben, die sagen möchte, dass Flüchtlinge vor der Angst fliehen und selbst keine neuen Ängste erzeugen möchten.“

Sie traf Hilfesuchende mit offenen Wunden, die sie zuvor nur in Filmen gesehen hatte. Sprach mit Todtraurigen nach ihren Suizidversuchen. Öfters klammerten sich ältere Frauen an sie, flehend: „Tochter, bleib’ bitte da!“ In Traiskirchen fragten wiederum syrische Diplomaten: „Wie kann man uns das antun?“

Gesten, die uns nichts kosten

Schwer fällt in solchen Momenten das Trösten. Wie soll man glaubhaft machen, dass alles wieder gut wird? Und wie soll man jenen begegnen, denen zwar die Flucht geglückt ist, die aber jetzt in einem schwarzen Loch versinken, weil sie alles hinter sich lassen mussten und hier keine Arbeit, keine neue Aufgabe, keine Ruhe, keine Normalität finden können? Die Antwort darauf ist einfacher als befürchtet: „Oft sind es kleine Gesten, die uns nichts kosten, die aber viel Positives bewirken können. Jeder kann etwas tun, um das Gemeinwohl zu fördern. Das Mindeste ist für mich, dass ich den Ankommenden zuhöre.“

Die junge Wienerin, die Politikwissenschaft und Pädagogik studiert hat, vergisst nicht, ihren Eltern für deren Weitsicht zu danken. Ihre beiden Schwestern, ihr Bruder und sie mussten während der Schulzeit regelmäßig mit einem Lehrer Arabisch lernen: „Wir haben das damals wirklich nicht gerne getan. Heute bin ich froh und dankbar, dass ich neben dem Deutschen auch meine Muttersprache beherrsche.“

Aus dem Buch: Etappen einer Flucht. Zur einmaligen…

Foto: Simon van Hal

Was hat Nermin Ismail, die jetzt regelmäßig im ORF-Landesstudio Wien arbeitet, weiterhin vor? Ihre Antwort ist klar und deutlich: „Die ehrenamtliche Hilfe hört nicht auf, nur weil auf dem Westbahnhof keine Flüchtlinge mehr ankommen.“

DAS BUCH

Nermin Ismail: Etappen einer Flucht, Tagebuch einer Dolmetscherin mit zahlreichen berührenden Fotografien von Simon van Hal, Verlag Promedia, 240 Seiten, 19,90 €.

Buch Etappen einer Flucht…

Foto: Verlag Promedia

PRÄSENTATION UND DISKUSSION

Am Montag ab 19.30 Uhr im Aktionsradius Wien, 1200 Wien, Gaußplatz 11. Mit Karl-Heinz Grundböck vom Bundesministerium für Inneres und Christoph Riedl von der Diakonie Österreich.

(Kurier) Erstellt am

Ramadan ist anders

Nermin Ismail

Nermin Ismail- Politik. Menschenrechte und alles, was mit Menschen zu tun hat. Hinhören und nachfragen.

Ein Monat lang von drei Uhr morgens bis neun Uhr abends nichts essen, nichts trinken, nicht fluchen und nicht schimpfen? Challenge accepted.

Mein Terminkalender ist voll. Fast jeden Tag eine Einladung oder Gäste im Hause Ismail. Das Zusammenkommen, die Solidarität mit Ärmeren – sprich Gutes tun – und gleichzeitig das Besinnen auf sich selbst stehen im Mittelpunkt dieses Monats. Ein Monat lang von drei Uhr morgens bis neun Uhr abends nichts essen, nichts trinken, nicht fluchen und nicht schimpfen? Challenge accepted.

„Was? Nicht einmal Wasser?“ Das ist oft die Reaktion auf mein Fasten. Aber im Ramadan geht es um viel mehr. Ramadan-Stimmung ist Lebensfreude: Kleine Laternen leuchten in den muslimischen Haushalten auf, alte Ramadan-Lieder ertönen aus den Lautsprechern, der Geruch traditioneller arabischer Küche (Ramadanspezialitäten wie Atayef, Kunafa und Khochaf) erinnert an alte Zeiten. Ramadan war schon immer eine besondere Zeit.

Lampen am Baum, Ramadan in Kairo
CC BY-ND 2.0 Annemee Siersma on flickr (Lampen am Baum, Ramadan in Kairo. CC BY-ND 2.0 Annemee Siersma on flickr)

Eine Woche vom Ramadan ist schon vergangen. Ich habe sie bisher sehr gut bestanden. Ja, wirklich, auch ohne meinen Kaffee, den ich normalerweise täglich in der Früh zu mir nehme. Ich faste nicht, um zu hungern oder um mich selbst zu quälen, sondern weil es eine gute Chance ist, mich im Verzichten und im Gedulden zu üben. Ein Monat im Jahr, in dem man versucht sich auf das Wesentliche im Leben zu konzentrieren. Ein Monat, in dem man zusammenkommt, Beziehungen auffrischt, über den Sinn des Lebens nachdenkt. Eine Zeit, in der man sich etwas mehr als sonst beobachtet, reflektiert und überlegt: Was stört mich denn eigentlich an mir selbst und inwiefern möchte ich ein besserer Mensch sein.

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Wahlkampf-Finale: Ein Rückblick

Nermin Ismail

Nermin Ismail- Politik. Menschenrechte und alles, was mit Menschen zu tun hat. Hinhören und nachfragen.

Wie haben sich Norbert Hofer und Alexander Van der Bellen im zweiten Teil des Wahlkampfs geschlagen? Welche Strategien befolgten sie? Was verrät ihre Körpersprache über sie und wie konnten sie in der digitalen Welt punkten?

Zehn TV-Duelle in 150 Minuten im ersten Durchgang. Unzählige Konfrontationen im zweiten. Norbert Hofer und Alexander Van der Bellen absolvierten in den vier Wochen bis zur Stichwahl mehrere Duelle. Sie lieferten sich einen harten Schlagabtausch nach dem anderen. Begonnen hat es auf Puls4 mit dem ersten Fernsehduell zwischen den beiden Hofburg-Kandidaten. Hier wurde klar: Der softe Kurs ist vorbei. Hier wurden beide ziemlich angriffig, zum Teil auch untergriffig. „Wir befinden uns in einer Situation, die wir so noch nie hatten. Dass ein Bundespräsidentschaftskandidat das Sch-Wort verwendet, ist für einen staatsmännischen Stil unüblich“, erklärt Kommunikations- und Verhaltensprofilerin Tatjana Lackner.

Bis zum legendären Duell auf ATV, das unmoderiert verlaufen ist, schien die Tonalität eine ganz andere zu sein (zu sehen hier). Von der anfänglichen Zurückhaltung Van der Bellens war nichts mehr zu spüren: „Sie haben in den letzten Wochen so viel Kreide gefressen, Herr Hofer. Nur sieht man es Ihnen noch nicht an“, lautete der Vorwurf Van der Bellens, als es um die EU ging. Doch Hofer blieb ihm nichts schuldig: „Herr Doktor, Sie sind heute so böse. Ich weiß gar nicht warum? Ich habe Ihnen nichts getan.“

Alexander Van der Bellen (Grüne), Norbert Hofer (FPÖ), im Rahmen einer ATV Diskussionsrunde mit den Präsidentschaftskanditaten zur BP- Wahl

APA/ HANS PUNZ

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Verlorene Kinder

Nermin Ismail

Nermin Ismail- Politik. Menschenrechte und alles, was mit Menschen zu tun hat. Hinhören und nachfragen.

10.000 Flüchtlingskinder sind laut Europol in Europa nicht mehr auffindbar. Sie sind unbegleitet eingereist und nun vom Radar einzelner Länder verschwunden. Wo die Kinder sein könnten und warum eigentlich keiner den Überblick hat.

Endlich in Europa angekommen, und schon hat sich ihre Spur verloren. Das Problem: Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, die ohne Eltern in Länder der EU eingereist sind, sind im System nicht mehr auffindbar. Niemand weiß, wo sie sind und warum sie verschwunden sind. Ende Jänner veröffentlichte die europäische Polizeibehörde Europol eine vorsichtige Schätzung, um auf dieses Problem aufmerksam zu machen. Im April hat Deutschland konkrete Zahlen geliefert. Das Bundesinnenministerium berichtet von fast 6.000 Kindern, davon 555 unter 14 Jahren, die in Deutschland als vermisst gelten. „Die Kinder, die in den letzten Monaten angekommen sind, wurden teils kaum registriert, teils doppelt registriert und sind quer durch europäische Länder gereist. Das ist gefährlich, weil die Kinder dadurch leichter Verbrechen zum Opfer fallen können. Weil man nicht einmal weiß, wo sie sind“, erklärt Ruth Schöffel, Sprecherin von UNHCR in Wien.

Refugee children at the coast near the open refugee camp of Souda

APA/AFP/Louisa Gouliamaki

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Buchpräsentation „Ungehörte Stimmen“

Vortrag / Diskussion

Alte Muster – neuer Kontext

Buchpräsentation und Diskussion

Fragen von Ungleichheit, Marginalisierung und Diskriminierung sind heute aktueller denn je. Mechanismen der Repräsentation sowie Formen der Wissensproduktion, also der Etablierung von „Wahrheit“, beschreibt die Autorin Nermin Ismail als fundamental für Herrschaft. Nicht erst seit Köln stehen Flüchtlinge im Mittelpunkt der medialen Debatte. Inwiefern prägen postkoloniale Züge die aktuellen Debatten rund um das Flüchtlingsthema?

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Nermin Ismail, Politologin, Autorin, Journalistin, ORF
Alexander Pollak, SOS Mitmensch
Birgit Sauer, Politologin, Universität Wien
Moderation: Hanna Hacker, Kulturwissenschafterin, Universität Wien

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Leadersnet: NÖ-Journalistenpreis für ORF-Akademie-Studentin

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Preisträger setzten sich mit dem Thema Flüchtlinge auseinander.

Der Niederösterreichische Journalistenpreis des Vereins zur Förderung des Journalismus in Niederösterreich wurde heuer zum sechsten Mal vergeben. Gesucht wurden Texte und Reportagen oder Interviews zum Thema „Fluchtbewegungen“. Den Hauptpreis des Wettbewerbes holte sich Nermin Ismail vor Katharina Fischer. Mit dem dritten Platz wurden ex aequo Julia Schrenk und Thomas Koppensteiner ausgezeichnet. Landesrätin Petra Bohuslav gratulierte den Preisträgerinnen und dem Preisträger in Vertretung von Landeshauptmann Erwin Pröll: „Es ist wichtig, dass sich schon junge Journalistinnen und Journalisten mit einem wichtigen Thema wie Flüchtlingen auseinandersetzen. Sie leisten dabei einen wichtigen Beitrag zur Diskussion und bringen neue Sichtweisen ein. Ich gratuliere zu den eingereichten Arbeiten und wünsche den vier Geehrten alles Gute für ihre weitere berufliche Laufbahn.“ Dotiert waren die Preise mit 4.000 Euro (1. Preis), 3.000 Euro (2. Preis) und 2.000 Euro (3. Preis). (as)

Hier geht es zur Fotogalerie

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ORF NÖ: ORF-Jungjournalistin berichtete aus der Türkei

Auszeichnung für Thomas Koppensteiner

Thomas Koppensteiner, Redakteur im ORF-Landesstudio Niederösterreich, gehört zu den besten Nachwuchsjournalisten des Landes. Er belegte beim Journalistenpreis des Vereins zur Förderung des Journalismus Platz drei.

Der Journalistenpreis wurde am Dienstagabend zum sechsten Mal vergeben. Im Mittelpunkt standen die hunderttausenden Menschen, die in der Hoffnung auf ein Leben in Frieden im vergangenen Jahr die Kriegsländer Syrien oder Afghanistan verlassen haben. Koppensteiner portraitierte einen afghanischen Flüchtling, der in Texing (Bezirk Melk) das Handwerk eines Druckers gelernt hat.

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HORIZONT: 6. NÖ Journalistenpreis: Das sind die Gewinner

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Vier Nachwuchsjournalisten wurden am Dienstag ausgezeichnet. Der Preis ist mit insgesamt 9.000 Euro dotiert

Der Verein zur Förderung des Journalismus in NÖ hat am Dienstag nun schon bereits zum sechsten Mal die besten Nachwuchsjournalisten des Landes ausgezeichnet. Thema der diesjährigen Verleihung war die aktuelle Flüchtlingskrise. Den mit 4.000 Euro dotierten ersten Platz sicherte sich Nermin Ismail. Die junge Journalistin, die derzeit in der ORF-Akademie tätig ist, hat im Ausland recherchiert, tagelang mehrere junge Flüchtlinge begleitet und deren Schicksale nacherzählt.

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Auf dem Sprung nach Europa

Die türkische Stadt Izmir ist ein Drehkreuz für den Handel mit Flüchtlingen. Schleuser und Geschäftsleute verdienen an denen, die nach Europa wollen. Ein Grenzbesuch

Von Nermin Ismail, Izmir und Lesbos

  1. Dezember 2015, 22:01 Uhr

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In der türkischen Stadt Izmir werden in Läden Rettungswesten für die Flüchtlinge angeboten. © Chris McGrath/Getty Images

Menschen bummeln und shoppen auf der Basmane-Straße. Doch das hier ist keine normale Einkaufsstraße. Das wird spätestens dann klar, wenn man die orangefarbenen Rettungswesten in den Auslagen sieht. Im Altstadtviertel von Izmir, der drittgrößten Stadt in der Türkei, stehen viele syrische Frauen am Straßenrand. Sie verkaufen Taschentücher, viele von ihnen halten ein Kind auf dem Arm. Immer wieder dringen Gespräche auf Arabisch herüber. Spätestens am Ende der Straße angekommen weiß man: Das ist kein gewöhnlicher Ort zum Einkaufen. Vor dem Restaurant Sindibad treffen sich die Schlepper. Sie treffen hier auf die Menschen, die nach Europa wollen und machen ihnen Angebote.
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Balkis, 23 aus Quneitra (Syrien)

Balkis im Pfarrhof in Horn

„2012 sind wir in die Türkei gegangen. Ich war mit meiner Mutter zwei Jahre dort, während mein Vater und mein Mann flüchteten und Familienzusammenführung beantragten. Ich wollte schon in Istanbul studieren, aber wir hatten kaum Geld, mussten uns irgendwie über Wasser halten. Damals war ich auch schwanger, mein Mann fand keine Arbeit in der Türkei, dann fand er eine, wurde aber betrogen und entschloss sich zu flüchten. Das war eine sehr schwierige Zeit für mich. In der Zeit habe ich aber die türkische Sprache erlernt und Freundschaften geschlossen. Heute lebe ich im Pfarrhaus in Horn. Ich lerne Deutsch. Österreich habe ich immer schon geliebt. Die Stadt Wien, Mozart und all das. Als mein Mann flüchtete wollte er nach Schweden und wir haben uns ausgemacht, dass wir dann bald Wien besuchen würden. Als er in Österreich ankam, wurde er von der Fremdenpolizei aufgehalten und musste hier bleiben. Irgendwie habe ich mich gefreut, zugegeben. Ich liebe Österreich jetzt noch mehr. Ich habe Freundinnen aus überall. Mit einer Ukrainierin kann ich mich super verständigen, weil ich Turkmenin bin und auch Russisch, Turkmenisch, Arabisch und Türkisch spreche. Ich freue mich auf die kommende Zeit. Wenn wir unsere Bescheide erhalten, arbeiten und studieren können. Ich werde Wirtschaft studieren.“

Wiener Grantler

Soeben ist mir Folgendes in der Tankstelle widerfahren. Die Kassiererin kommt mir so bekannt vor, dass ich sie fragen muss, ob wir uns nicht irgendwoher kennen. Meint sie gleich, ja doch auf jeden Fall. Wir waren doch gemeinsam in der Schule. Dann erinnere ich mich sofort ja voll, das ist die Melanie aus der Volksschule. Und sie dann so: Du bist die Nermin! Ewig her und doch so nah die Erinnerungen. Kommt der Herr hinter mir und regt sich auf: Könnens ned auf nem Kaffetschal am Wochenend plaudern? I werd hier nu kronk!
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