DerStandard SchülerTalk mit Heinz Fischer

Was wissen Jugendliche über Österreichs Geschichte?

Diese Frage war der Ausgangspunkt einer Diskussion, an der ich als Schülerin und Autorin des SchülerStandards mit Bundespräsidenten Heinz Fischer, teilnahm.

Der SchülerStandard berichtete:

„Der Unterricht endet meist beim Zweiten Weltkrieg“

21. April 2010, 18:49

Ein entspannter Bundespräsident diskutierte mit 130 Jugendlichen beim Standard-Schülertalk

Wien – „Man muss Geschichte mit viel Action vermitteln. Dann kommt sie bei den Jugendlichen an“, erklärt Gerlinde Szklarski, Geschichtslehrerin am ibc Hetzendorf. Actionreich gestaltete sich auch der Standard-Schülertalk zum Thema „Was wissen Jugendliche über Österreichs Geschichte?“ Dienstagabend in der vollbesetzten Lounge des Mumok.

Neben Stargast Heinz Fischer, diskutierten die Leiterin des Demokratiezentrums Gertraud Diendorfer, Gerlinde Szklarski, sowie Nermin Ismail (18) und Johanna Tirnthal (17). Neben der „Action“ dürfe der „Bezug zur heutigen Situation“ nicht verlorengehen, fordert Tirnthal. Denn erst die Verknüpfung mit der Gegenwart mache Geschichte lebendig. „Welche historischen Ereignisse sind Ihnen aus Ihrer Schulzeit in Erinnerung geblieben?“, wendet sich Moderatorin Bettina Reicher an den Bundespräsidenten. „Mein Lieblingsfach war Turnen“, erwidert dieser lachend. „Aber Geschichte und Mathematik kamen gleich danach.“ Neben der römischen Geschichte und der Aufklärung erinnere er sich vor allem an das 20. Jahrhundert.
Bei der Wahrnehmung des Unterrichts müsse man auch die Herkunft der Schüler berücksichtigen, fordert Diendorfer. Bei diesem Punkt hakt die 18-jährige Ismail ein, deren Familie aus Ägypten stammt: „Der Unterricht muss weiter in die Gegenwart reichen und die Geschichte von Einwanderern berücksichtigen. Dadurch kann man zu einer gemeinsamen Identität der Schüler beitragen.“ „Wo endet denn der Unterricht heute?“ , fragt Reicher ins Publikum. „Meistens beim Zweiten Weltkrieg“ , sind sich einige Gäste einig. „Das ist tragisch“, reagiert Fischer betroffen. Beim Holocaust angelangt, fordert Tirnthal, dass sich der Ton, in dem darüber erzählt wird, ändern müsse: „Man muss wegkommen von diesem ‚Wir sind verantwortlich, wir müssen das aufarbeiten‘. Denn wir Schüler sind nicht schuld daran“ .

Szklarski ergänzt, dass es wichtig sei, als Lehrer objektiv zu bleiben und nicht „mit der Moralkeule“ zu kommen. Nur so könne man Bewusstsein dafür schaffen. „Wo liegt da der Widerspruch?“, fragt Fischer irritiert. „Ich möchte meinen Schülern keine Meinung vorgeben, die sie unreflektiert übernehmen“ , reagiert Szklarski. „Eine Bewertung zwischen Gut und Böse ist bei diesem Thema aber doch notwendig“, kontert der Bundespräsident. Der Krieg und die Ermordung der Juden seien zweifellos die grauenvollsten Taten der jüngeren Geschichte und sollten auch als solche bezeichnet werden. Mit einem Schwenk zur Gegenwart wendet sich Karim Rihan (17) aus dem Publikum an Fischer: „Sind sie besorgt, weil es bei den letzten Wahlen so eine starke Tendenz nach rechts gegeben hat?“ . Der Bundespräsident reagiert entspannt: „Ich setze meine Hoffnung in alle neuen Jahrgänge, die jetzt erstmals ihre Stimme abgeben“. Rihan bestärkte Fischers Optimismus: „Ich kenne viele Leute, die bei der letzten Wahl eine rechte Partei gewählt haben. Doch durch das unmögliche Verhalten von Barbara Rosenkranz sind sie aufgewacht“ .

Politik und Geschichte müssen jedenfalls ineinanderfließen, reagiert eine Lehrerin im Publikum. „Der Lehrplan darf keine Entschuldigung für die fehlende Politische Bildung sein.“ (Selina Thaler, Antonia Reiss, DER STANDARD, Printausgabe, 22.4.2010)

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