Ein Vorzeigemodell für den Islamunterricht

Studenten lernen, Verantwortung für die Bildung und Ausbildung muslimischer Kinder zu übernehmen

Wien – Die Glocke läutet, die Schüler stürmen in die Klasse hinein. Hedija Hadzic betritt den Klassenraum. „Schritt für Schritt lebt man sich in den Schulalltag hinein. Je öfter man unterrichtet, desto besser fühlt man sich“, berichtet die 23-Jährige von ihrer schulpraktischen Zeit. Denn schon vom ersten Semester an musste die Lehramtsstudentin im Zuge des privaten Studiengangs für Islamische Religion an Pflichtschulen schulpraktische Studien absolvieren.

Hedija war 18, als sie sich kurzfristig für die Ausbildung entschied. Jetzt steht sie kurz vor ihrer Bachelorprüfung. „Ethik im Religionsunterricht“ ist der Titel ihrer Abschlussarbeit, die sowohl theoretische als auch praktische Elemente dieser Thematik behandelt. Das hat sie bewusst so entschieden, denn „es soll für die Religionslehrer im Unterricht nützlich und umsetzbar sein. Wir haben noch lange nicht ausreichende Materialien.“

Über den privaten Studiengang für das Lehramt für Islamische Religion an Pflichtschulen in Wien (früher Islamische Religionspädagogische Akademie) weiß sie nur Gutes zu berichten: „Diese Ausbildung hat uns darin unterstützt, uns in diesem Land heimisch zu fühlen und Verantwortung für die Bildung und Ausbildung muslimischer Kinder zu übernehmen. Die Schüler sind begeistert, wenn wir mit ihnen über den Sinn des Lebens diskutieren und wenn wir im Unterricht moderne Unterrichtsmethoden anwenden.“

Der staatlich anerkannte Studiengang existiert seit mehr als zehn Jahren und widmet sich derzeit ausschließlich der Ausbildung von Religionslehrern. Dass die Ausbildung seit 2007 in deutscher Sprache stattfindet, war für die bosnischstämmige Hedija eine weitere Motivation, das Studium zu absolvieren.

„Es wurde Zeit für die angehenden Religionslehrerinnen und Religionslehrer, in angemessenen Räumlichkeiten eine professionelle Lehrerausbildung zu erhalten“, sagte die aktuelle Leiterin des universitären Studiengangs, Amena Shakir, am Freitag bei der Eröffnung des neuen Gebäudes in Wien-Liesing. Die Entwicklung des Islamischen Religionsunterrichtes in Österreich habe trotz vieler Herausforderungen Modellcharakter für Westeuropa, betonte sie. Shakir konstatierte eine Verstärkung des Bekenntnisses zur Republik Österreich, welches sich durch einen gleichberechtigten Umgang mit Muslimen ergebe. Ihre Studenten vermitteln den zukünftigen Schüler, dass sie als Muslime zugleich Österreicher sein können und dass dies kein Widerspruch sei. (Nermin Ismail, DER STANDARD, Printausgabe, 24.1.2011)

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