Er wurde(!) (nicht) integriert

Auswertung eines Interviews

Im Rahmen eines Seminars auf der Universität Wien arbeite ich mit einer Gruppe von KollegInnen an einem Forschungsprojekt. Wir wollen mögliche Zusammenhänge zwischen der Auffassung des Themenkomplexes Migration und der Wohnortgröße ermitteln. Migration als Themenkomplex im Zuge individueller Auffassung durch Personen, die auf Grund ihrer geografischen Verortung nur partiell Kontakt zu einer bestimmten Migrationsgruppe haben. So haben wir zwei Personen (Universitätsabsolventen) aus dem ländlichen Bereich Österreichs interviewt und mit ihnen ein Stück weit in ihre Lebenserfahrung und Denkweise geblickt. Hier möchte ich nun einige Auffälligkeiten des ersten Interviews mit euch teilen.

Im Gespräch weist der Interviewpartner immer wieder auf die Wichtigkeit der Sprache hin. Und meint, man müsse Menschen auffordern die Sprache besser zu erlernen, damit eine Unterhaltung möglich ist. Dabei soll man die Sprache nicht verdummen, sondern möglichst Hochdeutsch sprechen und eine schöne Sprache pflegen. Mit Menschen, von denen man annimmt nicht so gut Deutsch sprechen zu können, soll man kein schlechtes, falsches Deutsch verwenden, sondern ihnen die Sprache beibringen, indem man in richtiger Art und Weise die Sprache pflegt. Ein sehr interessanter und vorallem lösungsorientierter Ansatz. Alleine die Erkenntis, etwas dafür zu tun, um die Sprache anderer zu erweitern, finde ich einen Schritt in die richtige Richtung. Nicht nur von anderen zu erwarten, sondern auch selbst etwas zu tun.

Die Glaubensfrage
Im Laufe des Interviews kommt der Interviewpartner auf die eigene Familie zu sprechen, in der die Tante vor mehreren Jahren einen Ägypter heiratete. Auf die Frage hin wie der Kontakt zu seinen Cousinen und Cousins aussehe, sagt er, dieser sei eher gering. Der Grund? Die „Integration ist schwächer“. Schwächer als was denn? Schwächer als wie bei anderen? „Bitte nicht zu viel hineininterpretieren“, erinnern wir uns immer wieder. Wir wollen ja wissenschaftlich arbeiten und uns so nah wie möglich an den Worten des Sprechenden halten. Gut dann heißt das also die Integration ist bei ihnen einfach nicht so stark. Hinzu kommt natürlich die Glaubensfrage, die der Interviewte gleich hinzufügt. Der Cousin isst zum Beispiel kein Schweinefleisch, das sei so ähnlich wie eine Allergie. Wir lachen darüber, machen uns lustig: „Der isst kein Schweinefleisch. Das ist so ähnlich wie eine Allergie“, sagt der eine. „Ja, aber gibt’s da nichts dagegen? War er schon mal beim Arzt?“ (Gelächter…) Es sei jedoch anzumerken, dass es eine Entscheidung ist, wie sie jeder Österreicher treffen kann. Ob man kein Fleisch ist oder kein Alkohol trinkt. Peinllich wirds, wenn er es vergisst. Hier kommt der Respekt zu Tage, der jedem Menschen zusteht, egal welche individuelle Entscheidung er trifft.

Migranten sind passiv
Ausdrücke wie: „integriert wurden“ oder „in dem Freundeskreis hineingekommen“ kommen häufig vor. Wenn von MigrantInnen gesprochen wird so wechselt man oft gerne ins Passiv über. Unbewusst.

Die Analyse von Interviews gibt uns Einblick in das Unbewusstsein. Die Wortwahl, die Themenkombinationen und die Art und Weise über den „Anderen“ zu sprechen sagt viel aus. Ich bin gespannt welche Ergebnisse wir erzielen und in welcher Richtung unser Forschungsziel wandern wird.

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