Marwa wir gedenken Dir

Sie ist vielleicht gestorben. Wir kämpfen weiter. Für sie und für alle anderen.

Marwa El-Sherbini ist nicht die Einzige, die Diskriminierung erfahren hat. Sie ist nicht die Einzige, die sich dagegen gewehrt hat. Sie wollte die Ungerechtigkeit, die ihr angetan wurde, nicht verschweigen. Sie war standhaft. Sie vertraute der Justiz. Sie vertraute dem Staat. Und sie hätte niemals geahnt, dass sie an dem Ort, an dem sie Gerechtigkeit erfahren soll, ermordet wird. Mitten im Gerichtssaal.

Tod im Gericht
Marwa El- Sherbini war Mutter. Vor ihrem dreijährigen Sohn wurde sie erstochen. „Terroristin! Islamistin!“, rief Alex W. ihr zu, als sie ihn fragte, ob er nicht die Schaukel für ihr Kind freigeben könne. Menschen wie sie hätten in Deutschland nichts verloren. Eltern beobachteten das Geschehen und gaben Marwa ihr Handy, damit sie die Polizei verständigt.
(Die Zeit berichtete)

In ihrem Kopf haben sich wahrscheinlich tausend Fragen aufgetan und tausend Situation durchgespielt. „Was, wenn ich schweige, nichts unternehme und er morgen wen anderen belästigt? Was wenn es ein junges, unsicheres Mädchen trifft, das gerade angefangen hat ein Kopftuch zu tragen? Was wenn er seine Wut an eine zerbrechliche alte Dame richtet, die nicht in der Lage ist sich zu wehren? Ich muss was tun! Gerechtigkeit muss her!“ Dies waren vielleicht ihre Gedanken. Veränderungen fangen da an, wo die meisten wegschauen würden, aber auch die anwesenden Eltern haben nicht weggeschaut.

18 Stiche in 30 Sekunden! Wie kann das gehen? Noch dazu in einem Land, dessen Geschichte uns erzählt wohin Hass und Ausgrenzung führen. „Wie tief kann man sinken“, fragte ich mich. Mir schnürte es den Hals zu und ich stand vor vielen Fragen. Es ist jetzt vier Jahre her und dennoch bleiben viele Fragen ungeklärt.

Vorurteile, die die Medien füllen, schüren Angst und schaffen eine Pseudo- Wirklichkeit, die es möglicherweise gar nicht gibt. Die muslimische Frau soll unterdrückt sein, dürfe ihre Meinung nicht äußern. Marwa war Doktorandin. Sie war ambitionierte Pharmazeutin. Gebildet, modern und Deutsche. Es kann also doch etwas schief gehen, wenn man versucht allen Anforderungen gerecht zu werden, wenn man versucht zu leben und der Gesellschaft nützlich zu sein.

Nach vorne schauen – Nach Lösungen suchen
Krisen schreien nach Veränderung. Krisen sind Momente, in denen wir begreifen, dass etwas getan werden muss. Sie sind Chancen, die die Zukunft besser, gerechter, solidarischer und lebenswerter zu gestalten.

Ich werde nicht länger darauf eingehen was geschehen ist, aber ich will darauf aufmerksam machen, dass Marwas Fall sich wiederholen kann. Leider! Tagtäglich kommt es zu Angriffen verbaler und physischer Art. Lassen wir Marwas Schicksal eine Lehre sein. Der vierte Todestag der Dresdnerin Marwa El-Sherbini darf uns nicht ruhen lassen. Überdenken wir unsere Wortwahl beim Schreiben und Produzieren journalistischer Wirklichkeit. Lasst uns über mögliche Auswirkungen reflektieren. Hören wir auf zu pauschalisieren! Hören wir auf mit der erzwungenen Vereinfachung komplexer Thematiken, das Leben ist schließlich nicht schwarz-weiß. Wir müssen Probleme unserer Gesellschaft direkt ansprechen und nichts unter dem Teppich kehren, bevor es zu spät dafür wird. Ich werde immer wieder von Mädchen angerufen, die verbal oder psychisch angegriffen wurden, weil sie ein Kopftuch tragen. Viele von ihnen trauen sich nicht etwas zu tun, sie wissen nicht an wen sie sich wenden können. Es gibt NGO´s, die sich dankenswerter Weise diesen Angelegenheiten annehmen, doch oft scheitert es an den Kosten für Anwälte und es scheitert ebenso an dem Willen. Den Willen etwas zu tun, nicht aufzugeben, alleine da zu stehen. Fälle, seien sie so klein, werden nicht immer ernst genommen. Es geschieht viel. Es gibt Bemühungen und das will ich nicht leugnen, aber es ist nicht genug und es wird nicht genug sein, bis Übergriffe zu einer Seltenheit, einer Ausnahme werden und nicht tägliche Realität. Nicht nur in Deutschland auch in Amerika, Frankreich und in zahlreichen anderen Ländern gibt es islamfeindliche Übertäter. In Frankreich wurden Mitte Juni zwei Frauen überfallen. Eine von ihnen war schwanger und verlor ihr Baby. Alle schwiegen und eine Philosophin empörte. Von der „Silence radio des féministes“ schreibt sie, aber anscheinend gibt es eine Grenze der Solidarität. Schwester ist nicht gleich Schwester. Frau ist nicht gleich Frau. Die Autorin schreibt: „Cette femme, quand bien même est-elle voilée, c’est notre soeur. Toutes femmes, toutes soeurs.“ Eine Idealvorstellung.

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Marwa wir gedenken Dir. Wir bitten Gott Deiner Familie beizustehen und ihnen viel Geduld und Kraft zu schenken. Wir danken ihnen und Dir für diese Chance.

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