Hass-Briefe und Heiratsanträge

„Sie werden im Internet heftig beschimpft.“ Das habe ich vor Kurzem erfahren. Es hat mich nicht überrascht, dennoch ein wenig betroffen. Ich kann mich noch erinnern, als ich meinen ersten Artikel im Standard veröffentlicht habe und ganz neugierig die Kommentare in den Foren verfolgte. 2009 war der Anfang meiner journalistischen Karriere.

Im Schülerstandard habe ich im wöchentlichen Takt schülerspezifische, gesellschaftsrelevante Themen aufgegriffen. Soziale Gerechtigkeit war immer schon Thema. Eine Schülerin, die einen Hilfsverein gründet, Flüchtlinge auf Identitätssuche, Jugendliche, die sich in Schulden stürzen. Es waren immer brenzlige Themen, die bewegen. Sehr früh habe ich bemerkt, dass es Menschen gibt, die ihre Wut, ihren Hass und ihren Frust gerne auf andere Menschen ablassen und das im Netz, weil sie unerkannt bleiben. Vielleicht haben sie das Gefühl, dass ihnen niemand zuhört. Vielleicht fühlen sie sich besser, wenn sie andere diffamieren. Dennoch, es hat mich nie davon abgebracht weiterzumachen. Später schrieb ich in der Presse in Kooperation mit M-Media. Mit der Zeit und je mehr ich mich den Themen „Migration“, „Integration“, „Islam“ und „Muslime“ widmete, desto mehr wurden die Anfeindungen, die Hass-Postings und Ähnliches. Ich habe aufgehört diese Foren-Einträge ernst zu nehmen. Ich lese sie nicht mehr.

Kritik erwünscht

Kritik ist erwünscht, aber es gibt einen Unterschied zwischen Kritik und niveauloser Beschimpfung. Wer mir etwas mitzuteilen hat, möge dies tun. E-Mails beantworte ich gerne und auch Postings auf diesem Blog. Oft werde ich auch gefragt, wie ich zur Anonymität im Netz stehe. Ich denke jeder mündige Bürger, sollte zu dem stehen, was er sagt. Wenn ich jedoch, nur weil ich nicht erkannt werde, andere Menschen verletze und belästige, dann respektiere ich mich in dem Fall wahrscheinlich selbst nicht. Wenn ich zu meiner Meinung stehe, warum will ich denn nicht erkannt werden? Das nennt man Verantwortung. Hasserfüllte, untergriffige Angriffe könnten beabsichtigen mich zu stoppen. Aber das werden sie nicht. Ich bin davon überzeugt, dass Menschen, die an Meinungsaustausch interessiert sind und den Dialog suchen, andere Wege finden.

Online Heiratsanträge?

Ich bekomme nicht nur Schreiben von Menschen, die mich scheinbar hassen, sondern auch Heiratsanträge. Jede Menge sogar. Meistens von Menschen, die ich noch nie gesehen habe oder von Menschen, die mich noch nie gesehen habe. Eines Tages hat es mir schon so gereicht, sodass ich einen dieser unverschämten Anträge veröffentlicht habe- mit Namen. Die Einen meinten, ich solle mich geschmeichelt fühlen, die Anderen meinten, ich solle aufhören so viel von mir in der Öffentlichkeit Preis zu geben. Also soll ich mich freuen? Sicher nicht! Oder soll ich mich zurückziehen und aufhören zu schreiben? Auch das ist keine Option! Wieder einmal sucht man die Schuld dort, wo sie nicht zu finden sein wird. Wie dem auch sei. Ich finde beides unverschämt. Interessanterweise haben Verfasser von Hass-Briefen und Heiratsanträgen etwas zusammen: Beide haben imaginäre Bilder von mir. Beide haben illusionäres Empfinden. Beide kennen mich nicht.

 

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