Buchpräsentation „Ungehörte Stimmen“

Vortrag / Diskussion

Alte Muster – neuer Kontext

Buchpräsentation und Diskussion

Fragen von Ungleichheit, Marginalisierung und Diskriminierung sind heute aktueller denn je. Mechanismen der Repräsentation sowie Formen der Wissensproduktion, also der Etablierung von „Wahrheit“, beschreibt die Autorin Nermin Ismail als fundamental für Herrschaft. Nicht erst seit Köln stehen Flüchtlinge im Mittelpunkt der medialen Debatte. Inwiefern prägen postkoloniale Züge die aktuellen Debatten rund um das Flüchtlingsthema?

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Nermin Ismail, Politologin, Autorin, Journalistin, ORF
Alexander Pollak, SOS Mitmensch
Birgit Sauer, Politologin, Universität Wien
Moderation: Hanna Hacker, Kulturwissenschafterin, Universität Wien

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Die Prinzessin der Rhythmen

Véro La Reine will die kamerunische Bikutsi-Musik von Österreich aus in die Welt tragen. Ein Porträt der Sängerin von Nermin Ismail.

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Voller Elan und für ihre Bühnenperformance bekannt: Véro La Reine singt am 30. Mai beim Südwind Straßenfest im Alten AKH in Wien.

Ohne Musik geht es nicht. Wenn Véro La Reine morgens aufsteht, legt sie Bikutsi auf und tanzt los. Bikutsi? Das ist der Name der traditionellen Musik der Béti in Südkamerun. Das Wort weist auf eine typische Tanzbewegung der Musikrichtung hin. „Bikutsi ist mein Leben. So muss der Tag anfangen“, sagt Véro La Reine.

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Wien: Muslimin im AKH beschimpft und angespuckt

12.12.2014 | 16:06 | Nermin Ismail

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Studentin Dina Mohammed wird in Wien von einer unbekannten Frau mehrmals angespuckt. Die Passanten zeigen keine Zivilcourage. Sie ist so mutig, dass sie die Spuckerin mit ihrer Kamera verfolgt und verfilmt. Im Interview mit Nermin Ismail erzählt sie von einem eigenartigen Vorfall und von der Unzuverlässigkeit der Polizei.

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Mitschwimmen um jeden Preis

„Wenn du nicht kommst, haben alle umsonst trainiert“, sagt die junge Lehrerin ihrer Schülerin. Sie will sie ja nicht überreden, sondern ihr nur klarmachen: „Es ist doch ganz egal ob du in dem Ding oder im Badeanzug schwimmst.“ Das muss die Schülerin verstehen und sie soll sich gefälligst anpassen, nicht so stur sein. Ilayda Demirel will im Burkini (Gankörperbadeanzug) schwimmen. „Ich mache das nicht. Ich schwimme nicht im Badeanzug vor all den Leuten und all den Kameras“, sagt sie überzeugt.

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„Nach den Sternen greifen“

Lehrende und Technikerin Dilek Yücel als Vorbild für muslimische Frauen in der Arbeitswelt*

Dilek Yücel (rechts) und ihre Mentorin Brigitte Ratzer. - © Asma Aiad

Dilek Yücel (rechts) und ihre Mentorin Brigitte Ratzer. © Asma Aiad

Wien. Dilek Yücel hat es als türkischstämmige IT-Spezialistin geschafft, in einer männerdominierten Arbeitswelt erfolgreich Fuß zu fassen. Sie studierte medizinische Informatik an der Technischen Universität Wien und kam über das Projekt „Teach for Austria“ zum Unterrichten in eine Mittelschule. Die Lehrerin ist technikbegeistert und hat im Rahmen des Mentoring-Projekts der Muslimischen Jugend Österreich ihre Passion für die Technik wiederentdeckt. Sie referiert an Hochschulen zum Thema „Transkulturalität und Diversity“ und doziert am privaten Studiengang für das Lehramt für Islamische Religion an Pflichtschulen in Wien. Ihr Motto: „Gemeinsam für eine bessere Zukunft!“

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„Super bist!“ – Frauenlauf 2014

Ich steige in die U-Bahn ein. Eine, nein zwei Frauen blicken mich an und lächeln mich an. Auch sie haben das gelbe, grau gepunktete T-Shirt an. Na klar, alles stellt sich auf den Frauenlauf ein. Die U2 fährt nur bis Stadion und die Frauen Groß und Klein, fühlen sich verbunden. „Wir sind dabei!“ Sie alle werden in wenigen Minuten gemeinsam laufen. Sie alle werden einen gemeinsamen Weg haben und sie alle werden in die Zielgerade gehen. Dabei sind es nicht nur Frauen, die anwesend sind, sondern auch jede Menge Männer. Väter, Söhne, Brüder, Freunde, Lehrer, Kollegen. Sie alle sind gekommen, um die Frauen anzufeuern. Um ihnen zu sagen: „Ihr schafft es! Bleibt ja nicht stehen!“ Ein Lehrer der HTL ist auch da und hält ein Plakat mit folgender Aufschrift hoch: Weiter, meine Technikerinnen!

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في أمل

في أمل إيه في أمل

Is there hope – Yes there is hope

Gibt es Hoffnung – Ja es gibt Hoffnung

http://fairouzandi.blogspot.co.at/2013_05_01_archive.html

Fayruz. Sie ist die populärste Sängerin des Libanons und eine der bekanntesten im mittleren Osten. Während des libanesischen Bürgerkriegs von 1975 bis 1990 verließ sie den Libanon nicht. Sie blieb in ihrer Heimat, fürchtete sich nicht. Fayruz festigte damit ihren guten Ruf in der arabischen Welt.

Inspiriert. Täglich sterben Menschen vor Hunger. Täglich versuchen Menschen vor ihrem Leben zu flüchten, in eine bessere Welt. Täglich erkranken Menschen. Täglich trauern Menschen. Heute haben wir alle möglichen technischen Möglichkeiten, Bilder aus aller Welt zu empfangen. Eine Auswahl dieser Menschen zu sehen, zu hören, mit ihnen mitzuempfinden. Das löst in mir Trauer aus. Ein Gefühl der Ohnmacht. Continue reading

Kann jeder Deutsch-Sein?

Betül Ulusoy schreibt über die traurige Geschichte eines Freundes aus Cottbus in Deutschland und die Reaktion des Bundespräsidenten auf seine Geschichte. Ein Text über das Empfinden einer deutschen Aktivistin, über Alltagsrassismus, Islamophobie und Lichtblicke.
Betül Ulusoy mit Joachim Gauck
Betül Ulusoy mit Joachim Gauck

Am Montag war ich zu einer ganz wundervollen Freundin zum Fastenbrechen eingeladen – bis heute ist nämlich noch die Fastenzeit der Bahai – und wir hatten einen ganz wunderbaren, herzlichen und lustigen interreligiösen Abend mit vielen Gesprächen sprichwörtlich über Gott und die Welt. Es wurde spät und nach einem Abschieds-Selfie (natürlich!) wurde es dann leider doch sehr ernst und traurig, als ein Freund – es gibt selten so herzensgute Menschen auf dieser Welt – davon erzählte, was ihm vor einiger Zeit in Cottbus widerfahren ist. Continue reading

Marwa wir gedenken Dir

Sie ist vielleicht gestorben. Wir kämpfen weiter. Für sie und für alle anderen.

Marwa El-Sherbini ist nicht die Einzige, die Diskriminierung erfahren hat. Sie ist nicht die Einzige, die sich dagegen gewehrt hat. Sie wollte die Ungerechtigkeit, die ihr angetan wurde, nicht verschweigen. Sie war standhaft. Sie vertraute der Justiz. Sie vertraute dem Staat. Und sie hätte niemals geahnt, dass sie an dem Ort, an dem sie Gerechtigkeit erfahren soll, ermordet wird. Mitten im Gerichtssaal.

Tod im Gericht
Marwa El- Sherbini war Mutter. Vor ihrem dreijährigen Sohn wurde sie erstochen. „Terroristin! Islamistin!“, rief Alex W. ihr zu, als sie ihn fragte, ob er nicht die Schaukel für ihr Kind freigeben könne. Menschen wie sie hätten in Deutschland nichts verloren. Eltern beobachteten das Geschehen und gaben Marwa ihr Handy, damit sie die Polizei verständigt. Weiterlesen …

Feminismus für Dummies

Was ist denn das?
www.asmaaiad.com

Für die Rechte der Frau einzustehen zu sagen so geht das nicht, das ist für mich Feminismus. Ob man sich nun als Feministin bezeichnet oder nicht, ist im Grunde genommen zweitrangig. Es geht um wichtigere Sachen wie das Recht auf ein selbstbestimmtes, emanzipiertes Leben und Gleichberechtigung. Dabei spielt es doch keine Rolle wie eine Frau aussieht oder welche Religion sie hat. Manche Feministinnen wollen aber leider anderen Frauen den Verstand absprechen und meinen Sklaven hätten auch nicht gewusst, dass sie versklavt seien. Für mich ist das eine Art Ignoranz. Zu sagen was für mich gut ist, muss auch für andere gut sein. Eine gute Frauenarbeit sollte keinen bestimmten Lebensentwurf aufzwingen, sondern jeder Frau die Freiheit geben zu tun und zu lassen was sie will.

Muslimas gegen FEMEN: “Eure Nacktheit befreit uns nicht”


INTERVIEW. Der von den FEMEN-Aktivistinnen ausgerufene „Topless Jihad Day“ in Berlin und Hamburg hat für Aufsehen gesorgt. Musliminnen wehren sich gegen die Generalisierung. Das Kopftuch sei kein Beleg für Unterdrückung, sagt Betül Ulusoy von MuslimaPride.

Sie wollen den Gründerinnen in der Ukraine nacheifern und auch in Deutschland gegen das Patriarchat kämpfen. Vor zwanzig Tagen haben die FEMEN Aktivistinnen in Deutschland für Aufruhr gesorgt. Zum „Topless Jihad Day“ haben sie diesen Tag ausgerufen. Junge Frauen aus Berlin und Hamburg fanden zusammen und zogen vor Moscheen und tunesischen Botschaften, um gegen „Islamismus“ und zur Solidarität für die tunesische Femenmitbegründerin Amina Tyler.
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Von der Schwierigkeit katholisch zu sein

www.katholisch.de

Ich finde es schwierig katholisch zu sein heutzutage, weil die Kirche als Institution aufgerüttelt wurde durch das ans Tage treten schrecklicher Verbrechen, und was es noch viel schlimmer machte, war das Schweigen, das darüber gelegt worden war. Es ist deshalb, aber auch weil die Kirche als Institution, also führende Gläubige, immer wieder und weiterhin nicht zögern Homosexuelle als Sünder zu bezeichnen, weil sie nicht nur Abtreibung ablehnen, sondern auch Verhütung ablehnen und mit gutem Recht damit für Entsetzen sorgen. Gleichzeitig bleibe ich katholisch in meinem Glauben und vertraue auch darauf, dass es durchaus Sinn macht dass diese Religion eine Institution auch als Basis hat.
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Ein Leben für die Umwelt

Sarah Abou El-Magd sieht Umweltschutz als Lebensphilosophie und Lebensweise. Ihre Motivation findet sie in ihrer Religion, denn im Islam wird die Erde als anvertrautes Gut betrachtet. Und der Mensch als der einzige Wesen, der mit Vernunft und Verstand ausgestattet ist. Diese braucht er, um die Umwelt zu bewahren und auf die Erde zu achten. Nicht nur achten, aber auch bewundern und respektieren- soll ein Muslim/eine Muslimin die Natur, die Umwelt. Sarah hat ihr Studium gewechselt und widmet sich in ihrer Freizeit, in ihrem Job und auch ihrem Studium der Umwelt. In vielen Details ihres Lebens achtet sie auf die Umwelt, der Gesundheit und der richtigen Umgangweise mit beiden. Dabei stößt sie aber auch an so manchen Grenzen.

*Dieser Beitrag ist am 02.03.2013 im ORF2 in der Sendung „Religionen der Welt“ erschienen.