Wahlkampf-Finale: Ein Rückblick

Nermin Ismail

Nermin Ismail- Politik. Menschenrechte und alles, was mit Menschen zu tun hat. Hinhören und nachfragen.

Wie haben sich Norbert Hofer und Alexander Van der Bellen im zweiten Teil des Wahlkampfs geschlagen? Welche Strategien befolgten sie? Was verrät ihre Körpersprache über sie und wie konnten sie in der digitalen Welt punkten?

Zehn TV-Duelle in 150 Minuten im ersten Durchgang. Unzählige Konfrontationen im zweiten. Norbert Hofer und Alexander Van der Bellen absolvierten in den vier Wochen bis zur Stichwahl mehrere Duelle. Sie lieferten sich einen harten Schlagabtausch nach dem anderen. Begonnen hat es auf Puls4 mit dem ersten Fernsehduell zwischen den beiden Hofburg-Kandidaten. Hier wurde klar: Der softe Kurs ist vorbei. Hier wurden beide ziemlich angriffig, zum Teil auch untergriffig. „Wir befinden uns in einer Situation, die wir so noch nie hatten. Dass ein Bundespräsidentschaftskandidat das Sch-Wort verwendet, ist für einen staatsmännischen Stil unüblich“, erklärt Kommunikations- und Verhaltensprofilerin Tatjana Lackner.

Bis zum legendären Duell auf ATV, das unmoderiert verlaufen ist, schien die Tonalität eine ganz andere zu sein (zu sehen hier). Von der anfänglichen Zurückhaltung Van der Bellens war nichts mehr zu spüren: „Sie haben in den letzten Wochen so viel Kreide gefressen, Herr Hofer. Nur sieht man es Ihnen noch nicht an“, lautete der Vorwurf Van der Bellens, als es um die EU ging. Doch Hofer blieb ihm nichts schuldig: „Herr Doktor, Sie sind heute so böse. Ich weiß gar nicht warum? Ich habe Ihnen nichts getan.“

Alexander Van der Bellen (Grüne), Norbert Hofer (FPÖ), im Rahmen einer ATV Diskussionsrunde mit den Präsidentschaftskanditaten zur BP- Wahl

APA/ HANS PUNZ

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„Latenter Generalverdacht in der Luft“

Terrorgewalt im Nahen Osten, Übergriffe auf Musliminnen in Europa und eine Politik, die damit überfordert zu sein scheint. Der Innsbrucker Universitätsprofessor Peter Stöger antwortet darauf mit einem Aufruf gegen Hysterie und zu mehr Besonnenheit. Im Gespräch erklärt er wie verstörend die Medienberichterstattung wirkt und wie damit umzugehen ist.

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„Nach den Sternen greifen“

Lehrende und Technikerin Dilek Yücel als Vorbild für muslimische Frauen in der Arbeitswelt*

Dilek Yücel (rechts) und ihre Mentorin Brigitte Ratzer. - © Asma Aiad

Dilek Yücel (rechts) und ihre Mentorin Brigitte Ratzer. © Asma Aiad

Wien. Dilek Yücel hat es als türkischstämmige IT-Spezialistin geschafft, in einer männerdominierten Arbeitswelt erfolgreich Fuß zu fassen. Sie studierte medizinische Informatik an der Technischen Universität Wien und kam über das Projekt „Teach for Austria“ zum Unterrichten in eine Mittelschule. Die Lehrerin ist technikbegeistert und hat im Rahmen des Mentoring-Projekts der Muslimischen Jugend Österreich ihre Passion für die Technik wiederentdeckt. Sie referiert an Hochschulen zum Thema „Transkulturalität und Diversity“ und doziert am privaten Studiengang für das Lehramt für Islamische Religion an Pflichtschulen in Wien. Ihr Motto: „Gemeinsam für eine bessere Zukunft!“

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Was wäre, wenn…

… es keine Ausländer gäbe. In der Schweiz stellt sich ein Projekt diese Frage.
In der Initiative „ohne dich“ protestieren viele Schweizer gegen das Ergebnis des Einwanderungs-Referendum


Wien. Vor knapp drei Wochen stimmten die Schweizer für eine Einwanderungsquote. Mit ihrer Initiative „ohne dich“ haben die drei Männer Bernhard Stoller, Ralph Moser und und Silvan Groher darauf reagiert. Auf der gleichnamigen Homepage können Schweizer mit Foto bekunden, wie miserabel, einsam und trist ihr Leben ohne den Ausländer ihrer Wahl aussehen würde. Die Resonanz ist groß. Binnen weniger Stunden haben sich 300 Paare zu ihrem „Ausländer“ online geoutet. Die „Wiener Zeitung“ sprach mit den drei Initiatoren. Continue reading

Ein Leben für die Umwelt

Sarah Abou El-Magd sieht Umweltschutz als Lebensphilosophie und Lebensweise. Ihre Motivation findet sie in ihrer Religion, denn im Islam wird die Erde als anvertrautes Gut betrachtet. Und der Mensch als der einzige Wesen, der mit Vernunft und Verstand ausgestattet ist. Diese braucht er, um die Umwelt zu bewahren und auf die Erde zu achten. Nicht nur achten, aber auch bewundern und respektieren- soll ein Muslim/eine Muslimin die Natur, die Umwelt. Sarah hat ihr Studium gewechselt und widmet sich in ihrer Freizeit, in ihrem Job und auch ihrem Studium der Umwelt. In vielen Details ihres Lebens achtet sie auf die Umwelt, der Gesundheit und der richtigen Umgangweise mit beiden. Dabei stößt sie aber auch an so manchen Grenzen.

*Dieser Beitrag ist am 02.03.2013 im ORF2 in der Sendung „Religionen der Welt“ erschienen.

Die Journalisten des Jahres: Wolf und Zarinfard

Es ist Faschingsdienstag. Journalisten und Journalistinnen, die schon lange in der Branche sind, kennen diesen Tag. Alle Jahre wieder werden die besten Journalisten des Jahres auf die Bühne gebeten. Dieses Jahr aber nach einem anderen, ganz besonderen Modell.

„Jedes Jahr dasselbe“, hör ich immer wieder bei meinen Gesprächen mit den Kollegen und Kolleginnen. Drei Stunden lang werden Leute auf die Bühne gebeten, sie sagen etwas, es wird applaudiert, die Preise werden verliehen und so vergehen drei Stunden. Irgendwie fad. Vorallem, wenn man zum fünften, sechsten, siebten Mal da ist. Um mit genau diesem Klischee, die Preisverleihung sei eine reine Zeitvergeudung,aufzuräumen, haben sich die Organisatoren dieses Jahr etwas ganz Besonderes einfallen lassen.
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Unter uns Österreicher

Live aus der U-Bahn mit Nermin Ismail Was lesen Sie denn da? Lernen Sie für den Staatsbürgerschaftstest? Wie bitte? Sie studieren. Aha.
Aber, aber ich meine, dürfen Sie das überhaupt? Ich meine Sie sind doch nicht frei, unterdrückt oder so oder wie war das nochmal? Das stand ja gestern in der Zeitung. Ach egal. Jetzt muss ich aber gestehen, Sie können gut Deutsch. Wann haben Sie das denn gelernt? Ohne Akzent, das ist ja unglaublich. Fast unheimlich. Wie? Mein Deutsch ist auch gut? Ja das ist klar ich bin ja waschechter Österreicher. Wie bitte? Was sagen Sie? Ah ich verstehe, Sie sind hier geboren. Aber Sie wollen bestimmt wieder zurück nach Hause, in die Türkei. Wie bitte? Österreich ist Ihre was? Ihre Heimat. Aber das geht doch gar nicht, sie schauen ja gar nicht österreichisch aus. Also gehen Sie bitte lieber nach Haus.

„Sunnitischer Islam erlaubt keine islamische Staatsform“


Die Muslimbrüder schlossen Abdel Moneim Abu El-Futuh wegen seiner Entscheidung, bei der Präsidentschaftswahl zu kandidieren, aus

Er fühle sich der Idee trotzdem noch verbunden, sagt er im Gespräch mit Nermin Ismail.

*****

STANDARD: Sie haben sich nach der Revolution entschieden, als ehemaliger Muslimbruder, für die Präsidentschaftswahl zu kandidieren. Soll Ägypten mit Ihnen als Präsident islamisch werden?

Abu El-Futuh: Ich habe mich entschieden, unabhängig und nicht als Repräsentant der Muslimbrüder zu kandidieren. Auch wenn ich von dieser Organisation getrennt bin, fühle ich mich ihrer Idee noch verbunden. Allerdings wollen alle islamischen Bewegungen in Ägypten keinen islamischen, sondern einen zivilen, demokratischen Staat: eine Verfassung, ein Parlament, welches das Volk repräsentiert und eine Regierung, die demokratisch gewählt ist. Der sunnitische Islam erlaubt keine islamische Staatsform. Deswegen ist die Furcht vieler Menschen, die Islamisten würden einen religiösen Staat installieren, fehl am Platz. Das war und wird nicht sein.

STANDARD: Heißt dies, dass im Islam, Ihrer Auffassung nach, Religion und Politik getrennt sein sollten?
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Köpfe der Zukunft: Yassmin Abdel-Magied

Frauen und Motorsport? Für Yasmin Abdel-Magied kein Traum, sondern tägliche Realität. In unserem Interview spricht sie über die Liebe zu lauten Motoren und schönen Autos. Das Gespräch ist in englischer Sprache verfasst.

KISMET: You have a passion for cars which is not usual and ordinary. Not for women and even less for muslim women. How did you become involved with that?

Yassmin Abdel-Magied: To be honest my love for motorsport only really began when I was in middle school at about 13 years old. I saw a film where a kid was a go kart racer and fell in love with the idea and then began to read more and more about cars, machines, F1 and racing. I remember taking out all the F1 history books from the library and trying to remember all the names of the greats… and realised the beauty of it all!

KISMET: So you´re the first female, Muslim, formula one racing driver. How do the reactions from your surrounding field look like? Are peoples surprised when they hear of your passion?

Oh I am not there yet! But it is definitely a dream I would love to achieve. The reactions have been quite varied – but the level of response and reaction has been really incredible. I have had many people wish me luck and unequivocal support, and I have had others tell me that this isn’t really the place for women, let alone Muslims. I think it actually brings up a lot of other issues that lie beneath the surface as well in terms of gender equality in such a sport and what people think Muslim females can or can’t do. My father is of the opinion that it is better for me to pursue the technical/engineering aspect, while my mother simply said to me – “if you really really want this and you won’t be doing anything that is Islamically incorrect then go for it.” So there has been every extreme and everything in between, but I just do what I do.

KISMET: You were born in Khartoum, raised up in Brisbane, you´ve visited islamic and christian schools and now you´re studying mechanical engineering at the Brisbane university. Did you go through the phase of the lost identity like most people having migration background?

I think everyone that migrates to a different country and grows up in a society that is different to the one they are brought up in will always face an identity challenge, and I am no exception. Alhamdulilah though, having my parents and family around me, as well as having a strong foundation of faith from my Islamic school days helped me immensely. I think it was most difficult during high school, as that is an age where we are all trying to figure out who we are and where we stand in this world, but I found my purpose in life early on Alhamdulilah, and that was to help people, and to have an impact on everyone I meet inshallah. One way I do that is by embracing my more uncommon passions, like cars, and showing people that Muslims aren’t all that different! I think I have grown to enjoy my differences as something to be proud of and to be embraced.

KISMET: Tell me about Youth Without Borders? (When did it start, do you have a team, how was it at the beginning, what are your activities etc.)

YWB actually started as an idea at the end of 2007. It was the four days before my QCST exams (the final exams for year 12, that sets our high school graduating results), and I had been selected to attend a conference called the ‘Asia Pacific Cities Summit’. It was a fantastic experience and as part of the Youth component, 100 young people from around the Asia Pacific came together to talk about change in our region. Something I noticed throughout the four days though, was the although there were many extremely passionate and capable youth in our region, they still competed for funds, still had conflicting interests…even though they were all working on similar issues, trying to help the same people. It led me to think “wouldn’t it be great if there were an organisation whose pure focus is to bring these people and organisations together to work on projects?”. That is essentially how YWB was born. I pitched the idea on a boat trip during the conference and got mixed reception…but I decided to do it anyway. Now here I am! We have a strategic board of three, a management committee of 10 and a membership in Australia of 70 and around the Asia Pacific of about 150. Projects we do range from organising mobile libraries in Indonesia to setting up football teams for marginalised kids in Brisbane, and we are always looking for new places to expand and grow!

KISMET: „Shinpads and Hijabs“ is the soccer team coached by you. Are sports important in your life? What do you want to achieve with this project?

Sports are actually an extremely important part of my life. From being an extremely avid football fan (the biggest one in my family actually), to boxing for the last three years and also cycling, running and going to the gym on a regular basis, I find the importance of healthy living and staying fit imperative for everyone, regardless of gender, religion or race. Shinpads and hijabs is an extraordinary project started by Football United and partnering with YWB – essentially teaching young Muslim girls to play football. We train them at the school and have brought in national champion female soccer players from around the country to show these girls how it is done. Not only do these girls now have an increased sense of confidence in their ability, as well as an increased level of fitness, we have provided these girls with an opportunity they may have never previously been able to access. Some are considering taking up soccer as a full time extracurricular sport and joining and league, and now many parents are more comfortable with their girls playing organised sport more competitively. I am a great believer in sport being one of the great equalisers and football is definitely the world game and a passion for many, so it is great to see it bring change and open the eyes of so many Muslim girls here in Brisbane.

KISMET: Yassmin you´re dedicated to empowering youth in Australia and around the world. What can you do for youth all around the world?

What can I do? That’s a pretty big question I guess! Anything the world needs me to do I guess. I am reluctant to ‘talk for the Muslim Youth’ because we are so varied and all face various issues, but I am dedicated to the concept of empowerment and will work for it wherever in the world I am. For now, that happens to be Australia, but who knows where that might lead me to inshallah. Make no mistake though, I am willing to give it my all!

KISMET: What do you want people to know about Islam and Muslim women?

I guess there are a few things that people should understand – however I will preface this by saying that I am no expert on these matters! In terms of Islam; Islam is an extremely varied and multicultural religion and there are so many

KISMET: Last year you were awarded the Young Queenslander of the Year. How did you feel?

Subhanallah it was amazing! It was so unexpected and I felt extremely humbled and indebted to everyone who has helped me along the way, especially my parents – without whom, I would not be here! It has also given me the amazing opportunity to reach out to so many more people and to learn so much more! Definitely something that I feel blessed to receive and I hope that I can use it to its full potential inshallah.

KISMET: What do you want to reach exactly with your work? Do you have a certain message?

There are a number of things I want to achieve in my life inshallah… nothing so concrete as yet but I want to have a positive impact inshallah on every person I meet; essentially live a life that is worthwhile and that leaves a legacy. I also want to impress this upon everyone I talk to as well; don’t underestimate the impact you can have on someone else’s life. My hope is that inshallah by living, I have made others’ lives better.

KISMET: Yassmin do you think being part of the integration process of muslim youth in Brisbane. Can you change the picture of the oppressed, poor, muslim woman represented in the media through your participation and emancipation? Are you breaking stereotypes?

I would like to think that I am inshallah! In fact, I take pride in doing things in the most unexpected way, and being a mechanical engineering, football loving, F1 aspiring boxer – as well as a female Muslim, does a pretty good job of breaking stereotypes you might say. But also just being open to questions — being able to have conversations about Islam and politics but also the rugby and the cricket – shows people that it I am just another Australian youth and they have nothing to fear. I believe that ignorance is the cause of most prejudice as people fear what they do not know, so if I can help remove that ignorance, then we can inshallah remove any prejudice and fear. I do think we are extremely lucky though in Australia, the system has supported me this far =)

KISMET: How do you see your future and the future of the integration debate around the western society?

To be honest I am not exactly sure. I know it is going to be difficult at times, but also I believe people are ultimately good and are willing to learn, so hopefully we can work with that.

KISMET: Last but not least you´re planning to build your own vehicle? Is this true?

Yes I am! I am saving up for a really good set of tools at the moment, but am searching for a corvette stingray that I can work it. It will probably take a fair few years, but I will love it! In the meantime I might just settle for a regular datsun, but from my previous experience I will also need a ‘daily driving’ car; ones that are being worked on aren’t always completely reliable!

Interviewd by Nermin Ismail.(Picture: DR)

Köpfe der Zukunft: Jana Kossaibiti


In Teil zwei der neuen KISMET-Serie spricht die Bloggerin Jana Kossaibiti über ihre Leidenschaft täglich das neueste aus der Modewelt zu präsentieren. Das Originalinterview steht vorerst in englischer Sprache zur Verfügung, eine Übersetzung folgt in Kürze.

KISMET: Jana you´re a medicine student and started a blog (Hijab Style) some years ago, which got very popular. Can you tell me what you are doing exactly and what motivated you for doing that?

Kossaibiti: I started my blog, Hijab Style, in September 2007. I already had an interest in blogging, but didn’t really come across blogs which focussed on Muslim women’s fashion and clothing. So I decided to start my own, which is all about style ideas and fashion inspiration for Muslim women who wear hijab.

KISMET: Jana Kossaibiti, you got very public. Why do you gained so much fame and still have so much success with your job?

Kossaibiti: As one of the first blogs to cover Muslim women’s fashion in depth, it caught the attention of the media, and that definitely had a big impact on the blog’s popularity. Writing for The Guardian and Vogue.com brought the issue of hijab into a new light, that was rarely explored previously.

KISMET: You have over 23.000 visitors. What do you think, why there´s such a rush on your blog. How do you cope with it?

Kossaibiti: Even though my blog is primarily aimed at Muslim women in the UK, I often cover international designers and of course style ideas apply everywhere. I think

KISMET: Born and raised up in London, having Lebanese parents. What do you say about yourself? Where do you belong to?

Kossaibiti: I think of myself as British-Lebanese, taking the best of both cultures.

KISMET: Is Fashion something important for every muslim girl/ woman? Does the cultural heritage play a big role or is it minor matter?

Kossaibiti: Everyone places an importance on fashion to differing extents. For Muslim women who wear hijab, often it means that they need to put in more effort than most when considering their clothing options. Cultural heritage, again, will depend on the person. Many Muslim women prefer to wear only their traditional clothing, whereas others will incorporate only parts of it into their outfits.

KISMET: How do you combine western fashion with the Islamic dress code? What does your experience look like? Is it hard?

Kossaibiti: I always keep in mind the basic Islamic principles, for example wearing loose-fitting clothes, and try to find items which fit within those criteria. Although that usually means lots of layering, since it’s difficult to find clothes which for example, are both loose fitting, high-necked and long-sleeved.

KISMET: You said in an interview muslim women are underrepresented. Why? What are you doing to change that?

Kossaibiti: Most of the media discussions around and hijab and Muslim women are extremely polarised, and rarely do you see Muslim women themselves speaking. There always seems to be someone else doing it on our behalf, whether it’s male religious leaders or Western politicians. I think my blog provides a place where Muslim women can talk about hijab on their own terms, without interference from others.

KISMET: The debating of topics like integration, women in Islam etc. is always current and ongoing. Which impact do you have on the English society? Can you be part of a successful integration?

Kossaibiti: I think the issue of integration goes much further than simply what people wear. It’s more to do with attitudes and how much people are willing to part of the wider society.

KISMET: Do you have a certain message, which you are certainly trying to make public? An higher goal?

Kossaibiti: I’d like for people to understand that hijab is a ultimately a woman’s choice, and that it shouldn’t be over-inflated and used for political purposes. At the end of the day, it really should be down to the women herself whether she wants to wear hijab, how she does it and what her reasons are.

KISMET: If you close your eyes and think about the future. Where do you see yourself in ten years?

Kossaibiti: In ten years time, I hope to be enjoying my career as a doctor, as well as perhaps keeping up my interest in fashion on the side!

Interviewed by Nermin Ismail.(Picture: Private)

Köpfe der Zukunft: Sineb El-Masrar

In einer neuen KISMET-Serie stellt das Onlinemagazin erfolgreiche muslimische Frauen aus Europa vor. Den Beginn macht die deutsche Publizistin Sineb El-Masrar. Sie spricht über ihr Leben und wie sie sich die Zukunft vorstellt.

KISMET: Sie haben als eine von ersten Frauen in Deutschland ein eigenes Medium für die muslimische Frau in Deutschland auf die Beine gestellt. Wie sind Sie erst mal auf die Idee gekommen „Gazelle“ zu gründen?

El-Masrar: Gazelle ist kein Frauenmagazin nur für muslimische Frauen. Es bezieht allerdings als erstes Frauenmagazin in Deutschland gezielt auch diese Frauen mit ein – sowohl bei der Themenauswahl als auch beim Personal. Gazelle aus einem einzigen Bedürfnis entstanden: Nämlich die Lebensrealität Deutschlands in einem Frauenmagazin abzubilden. Und diese ist multikulturell geprägt. 2006, als Gazelle auf den Markt erschien, war und ist es anderen Frauenmagazin noch nicht gelungen.

KISMET: Sie haben einen großen Erfolg mit ihrem Magazin erzielt. Hat es auf ihrem beruflichen Weg Hindernisse gegeben, die Ihnen den Aufstieg erschwerten?

Der Erfolg ist der Nachfrage zu verdanken, die logischerweise bei der Zielgruppe Frauen besteht. Hindernisse gibt es vor allem noch bei den Anzeigenkunden, die sich schwer vorstellen können, dass Frauen mit einem Migrationshintergrund über Geld verfügen und es eigenhändig für Autos, Reisen, Kosmetika oder Kleidung ausgeben. Da ist noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten.

KISMET: Womit beschäftigt sich das Magazin und wie schaut Ihr Team aus? Gibt es einen bestimmten Grundsatz, den „Gazelle“ verfolgt.

El-Masrar: Gazelle greift Themen auf, die Frauen interessieren. Gesundheit, Kultur oder Mode sind genauso vertreten wie in anderen Medien. Es werden Produkte oder Mode vorgestellt, die beispielsweise für dunklen Teint geeignet sind oder für Kopftuchträgerinnen. Nebenbei greifen wir gesellschaftsrelevante Themen auf, die aus der Lebensrealität der Frauen entspringen. Wie gestaltet sich heute eine Partnerschaft; wie erziehe ich meine Kinder bilingual; wie geht man mit dem Tod seiner ausländischen Eltern um oder wie schaffe ich es allein erziehend meinen beruflichen Weg zu gehen. Und vieles mehr. Bei uns ist es einfach immer wieder spannender und vielfältiger. Das haben wir vor allem dem Team zu verdanken, die selbst unterschiedliche Zugänge zur Gesellschaft haben, über Empathie verfügen und dadurch einfach aus einem viel größeren Fundus schöpfen können. Unsere Autoren sind daher nicht nur deutschstämmig, sondern auch russisch, arabisch, persisch oder asiatischstämmig.

KISMET: In einem Interview erzählten Sie von ihrer Erfahrung und gleichzeitig die anderer Jugendlichen und sagten: „Dauernd stellte sich uns die Frage der Identität, wir lebten mit verwandten Brüchen“. Haben Sie nun eine Antwort gefunden? Was wollen Sie den Jugendlichen in Deutschland, die genau mit solchen Problemen konfrontiert sind, heute mitgeben?

El-Masrar: Es ist und bleibt ein Prozess, den übrigens jeder Jugendliche durchlebt. Auch ohne Migrationshintergrund. Wenn aber jeder, der einen ausländischklingenden Namen oder dunkleren Teint hat nach seiner Herkunft gefragt wird, und sich deshalb wegen Diktatur oder Terror rechtfertigen muss, dann zeigt es vor allem, dass der Fragende noch einen langen Weg vor sich hat. Denn Schwarzköpfe – Aischas, Mehmets und Ivans, sind genauso Deutsch oder Österreichisch wie die anderen in dem Land auch. Und dieses Selbstbewusstsein, sollten sich die jungen Menschen aneignen, statt sich infrage zu stellen. Denn wichtiger sollte vielmehr die Persönlichkeit eines jeden einzelnen sein, statt seine Herkunft.

KISMET: „Muslim Girls“ nennen Sie Ihr heuer veröffentlichtes Buch, in dem Sie vom Alltag muslimischer Mädchen schreiben. Wie schaut dieser aus und wird sich hier noch in Zukunft viel ändern?

El-Masrar: Wie der Alltag von Frauen und Mädchen eben aussieht. Vielfältig und vor allem spannend! Die Mehrheit dieser Frauen und Mädchen sind bemerkenswert. Wie sie trotz aller Hürden und Startschwierigkeiten, die sie manchmal ihren Eltern oder der gesellschaftlichen Strukturen zu verdanken haben, ihre Ziele mit viel Durchhaltewillen erreichen. Das ist nicht nur inspirierend sondern auch vorbildlich. Statt sie bemitleiden verdienen sie großen Respekt!

KISMET: Gibt es eine bestimmte Message, die Sie durch Ihre Arbeit verbreiten wollen? Einerseits an die Menschen mit Migrationshintergrund und andererseits an die deutsche community?

El-Masrar: Jeden mit dem Respekt begegnen, den man sich auch von seinem Gegenüber wünscht. Und dem Gegenüber zuhören, statt ihn mit seinem vorgefertigten Bild zu nerven. Das gilt für beide Seiten – ohne Ausnahme.

KISMET: Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

El-Masrar: Zufrieden mit dem was ich mache.

KISMET: Was wünschen Sie sich für, die immer aktuelle und hitzig diskutierte, Integrationsdebatte in Europa?

El-Masrar: Mehr Besonnenheit und vor allem Aufrichtigkeit.

KISMET: Abschließend noch eine etwas provokante Frage: Glauben Sie, würde sich Herr Thilo Sarrazin freuen Sie kennenzulernen oder wären Sie für ihn noch nicht integriert genug?

El-Masrar: Mich meint er ja nicht. Nur die anderen…

Das Gespräch führte Nermin Ismail.(Bild: Privat)

Köpfe der Zukunft: Kübra Gümüsay

Sie bloggt und publiziert Tag ein, Tag aus. Kübra Yücel-Gümüsay beleuchtet die Welt aus ihren Augen nicht nur auf ihrem erfolgreichen Blog, sondern auch in der renommierten Zeitung “TAZ”. Im dritten Teil der KISMET-Serie “Köpfe der Zukunft” spricht sie über Leben, Politik und große Visionen.

KISMET: Sie sind wie viele andere als Kind türkischer Eltern in Deutschland geboren, als eine von wenigen haben Sie es wiederum geschafft, bekannt zu werden und viel zu leisten. Wie hat ihre Geschichte begonnen? Gab es schwierige Momente auf diesem Weg?

Kübra Yücel-Gümüsay: Ich habe so ein Weltverbesserer- Syndrom. Ich wollte schon immer etwas tun, um den Menschen in meinem Umfeld zu helfen. Dazu habe ich auch verschiedene Wege eingeschlagen, beispielsweise als Modedesignerin, um der Welt zu beweisen, dass man auch mit Kopftuch schön aussehen kann. Anschließend in der Politik, um auf dieser Ebene etwas zu bewegen. Und letztendlich bin ich im Journalismus gelandet, da er für mich einen Rahmen bietet, über Dinge und Probleme in der Gesellschaft zu schreiben und die jeweiligen Lösungsansätze zu finden. Ich habe sehr früh angefangen privat über ganz verschiedene Dinge zu schreiben. Später bat mir die Schülerzeitung die Möglichkeit mehr an die Öffentlichkeit zu treten. Es ging dann relativ schnell weiter. Ich war dann im Vorstand der Jugendpresse, der Verband junger deutscher Journalisten, hier in Hamburg. Und später bin ich dann zur Chefredakteurin vom “Freihafen”, ein Jugendmagazin aus Hamburg, ernannt worden.

Ich kann mich glücklich schätzen, dass ich immer offenen und toleranten Menschen begegnet bin und auch immer für Zeitungen und Medien geschrieben habe, die eher dem linken Spektrum angehören, das für die Vielfalt der Menschen steht. Das ist auch der Grund, warum ich kaum oder nur selten Probleme hatte. Nur ein Erlebnis, dass mir immer in Erinnerung bleiben wird, ist dass mir einmal ein bekannter Journalist vor meinen Kollegen weis machen wollte, dass ich als Journalistin nicht gut geeignet wäre, wegen meines Kopftuchs. Ich war natürlich erst einmal überrascht aufgrund seiner Begründung: als Kopftuchträgerin könne man nicht neutral sein. Ich hatte Glück, dass die ganze Redaktion sofort angefangen hatte mich zu verteidigen und ich musste kein Finger krümmen. Sie haben sich auch sehr darüber empört und ihm deutlich gemacht, dass das was er gerade gemacht hat nicht nur krass ist sondern einfach peinlich. In diesem Sinne hatte ich also wirklich sehr viel Glück die richtigen Menschen getroffen zu haben.

KISMET: Sie schreiben nicht selten über die Probleme der ausländischen Gemeinschaft in Deutschland. Was ist Ihrer Meinung nach die größte Herausforderung?

Ein großes Problem hier in der Community mit Migrationshintergrund ist, dass sie keine selbstbewusste Identität haben. Sie sind oftmals hin und hergerissen zwischen zwei Ländern und sie haben oft das Gefühl, sie müssten sich für eine Identität entscheiden, was zu vielen Problemen führt. Obendrein werden sie von beiden Gesellschaften nicht so wie sie sind akzeptiert. Sie sind ständig diesem Druck ausgesetzt irgendwelche Leistungen erbringen oder sich beweisen zu müssen, um Anerkennung zu finden, was oft dazu führt, dass viele diese einfach in anderen Bereichen suchen. Einige rutschen dann in die Kriminalität. Der Großteil macht es sich in seiner Parallelgesellschaft, die es gibt, einfach gemütlich. Es ist natürlich viel einfacher Freunde zu haben, die auch aus dem gleichen Kulturkreis kommen, wo man Vieles nicht erklären muss, beispielsweise man muss nicht erklären warum man betet oder jenes Essen kocht und diese und jene Tradition pflegt. Man kann einfach ganz entspannt und ohne Komplikationen sein Leben führen. Das ist natürlich für die meisten viel einfacher. Aber die Herausforderung ist, das man es schafft die Identität und die Lebensweise, die man hat, beizubehalten, um mit ihr bewusst und eigenständig aufzutreten. Man muss begreifen, dass man sich nicht für ein Land oder eine Kultur entscheiden muss, sondern stolz darauf sein, dass einem diese Identität als Menschen ausmacht, dadurch dass man diesen Hintergrund hat. Ich mag türkische Musik und lese deutsche Autoren. Diese Interessen, die man hat ,soll man weiter ausleben und sie zu einem Tacker machen, der die Identität ausmacht. Mit dieser neuen Identität, soll man selbstbewusst in die Gesellschaft hinaustreten.

KISMET: Haben Sie auch für die Mehrheitsgesellschaft eine Forderung?

Ja, und zwar, dass die bio- deutsche Gesellschaft gleichzeitig auch offen sein soll Menschen als Menschen zu sehen, als Individuen. Dass man alle Vorurteile und alle Konflikte mit einer Religion, die man zum Teil hat, an dieser Person auslebt oder diese Person auffordert diese Religion zu verteidigen. Nein! Man muss Menschen als Menschen begreifen und so auch auf sie zugehen. Das heißt vorurteilsfrei und einfach mal offen.

KISMET: „Fremdwörterbuch“ nennen Sie ihren Blog. Warum noch immer fremd? Soll das eine Anspielung sein?

Am Anfang hatte es keinen tieferen Sinn, sollte auch keine Anspielung sein. Ich wollte nur einen Begriff haben, dass alles umfasst und nichts ausschließt. Eher wollte ich meinen Blog Wörterbuch nennen, das ging aber nicht, deswegen habe ich es Fremdwörterbuch genannt. Im Nachhinein, wenn ich jetzt zurück schaue, find ich das eigentlich gut, weil ich quasi mit der deutschen Sprache spiele und etwas Vertrautes benutze, aber mit fremden Gedanken, Einflüssen- im Sinne von anderen- als die, die hier bekannt sind, kombiniere, Einblick in die deutsche Gesellschaft gewähre aus einer mal anderen Perspektive. In dem Sinne finde ich, dass es sehr gut passt. Die Inhalte haben quasi dem Fremdwörterbuch erst richtig seine Bedeutung verliehen.

KISMET: Ein Internetbuch über Politik, Gesellschaft, Islam und Medien. Außerdem über London, Uni, Filme, Kunst, Musik und Kultur geht. So beschreiben Sie ihren Blog, doch was macht dieses Buch besonders und lesenswert?

Was mein Blog für viele lesenswert macht, ist die Tatsache, dass in den Medien ganz viel über den Islam und über die muslimische Frau diskutiert wird, aber nur wenig mit ihnen. Bei vielen, die keinen Zugang zu diesen Communities haben (wollen?) ist es so, dass sie in kopftuchtragenden Frauen einfach ein Meer an Tücher sehen und keine Individuen keine Gesichter keine Einzelschicksale, sondern einfach nur ein unterdrücktes Meer an Frauen, die verhüllt sind. Deshalb ist es für viele sehr interessant, ein Blog zu lesen von einer Frau, die aus diesem Meer stammt. Plötzlich bekommt das Meer ein Gesicht oder Gesichter und viele Individuen werden sichtbarer, das heißt man bekommt einen differenzierteren Einblick in eine Community und das ist natürlich für viele sehr spannend, weil sie einfach keine muslimischen Frauen kennen und auch keinen Zugang zu diesen Frauen finden. Deswegen ist es wichtig, dass politische Themen an persönlichen Erlebnissen diskutiert werden. Das ist vielleicht für Nichtmuslime interessant. Für Muslime ist mein Blog interessant, weil da einfach mal jemand die Probleme oder die Themen, die einem die ganze Zeit durch den Kopf schwirren, anspricht und diskutiert.

KISMET: Wie sehen Sie die Zukunft der Muslime in Deutschland. Einerseits haben wir Leute wie Sie, die ein Vorzeigebild sind und andererseits Menschen wie den Herrn Sarrazin, die alles noch erschweren. Wie blicken Sie in dieser Hinsicht auf die Zukunft?

Es gibt Bereiche in denen es besser wird. Gefühlsmäßig empfinde ich das Engagement als eine äußert positive Entwicklung. Wir haben ein Netzwerk gegründet von aktiven und engagierten Muslimen. Es war wirklich inspirierend zu sehen, wie verschieden sie sind, wie viel sie sich engagieren, welche Ideen dort herumschwirren und wie viel Potenzial in dieser Community ist. Das erste Mal für mich zu sehen, wie intellektuell und aktiv Muslime hervortreten und sichtbar werden. Das ist eine positive Entwicklung, dass sich viele Menschen jetzt trauen sichtbar zu werden. Oftmals wenn man in Deutschland über Muslime redet, hat man über die Problemfälle gesprochen- nur diese sind herausgestochen. Nun stechen auch die positiven Seiten hervor, die normalen eigentlich, die Masse tritt hervor, sie bekommt ein Gesicht, sie bekommt eine Stimme und ich glaube das ist eine unglaublich positive Entwicklung.

KISMET: Trotz diesem Fortschritt kommen beispielsweise Rassismus und Islamophobie häufig zutage. Die Frage ist, wie wird in Deutschland damit umgegangen?

Inzwischen ist in Deutschland Rassismus und Islamophobie allgegenwärtig geworden. Es ist kein Problem mehr Menschen auf der Straße zu beschimpfen oder anzuspucken. Es gibt auch Fälle, wo das Kopftuch runter gerissen wird, wo Menschen in den Universitäten ausgeschlossen werden. Viele diskriminieren auch unbewusst, weil sie das für normal halten, ein gewisses Unbehagen gegenüber Muslimen zu haben. Ich glaube, dass dieser Rassismus in den letzten Jahren zugenommen hat und immer mehr toleriert wird. Ich will nicht sagen, dass Menschen rassistischer geworden sind, das kann ich nicht beurteilen. Aber was ich feststelle und was ich festhalten kann, ist das inzwischen, wenn Rassismus ausgeübt wird da auch beide Augen zugedrückt werden.

KISMET: Ist es legitim der Politik die Schuld zuzuschreiben oder inwieweit schafft sie es Menschen negativ zu beeinflussen?

Die Politik spielt in diesem Prozess der Rassismustoleranz eine sehr große Rolle, weil sie es ist, die ihre eigene Verantwortung nicht mehr bewusst trägt. Sie reden, polemisieren und polarisieren gesamtgesellschaftliche Themen und Probleme. Wir haben ein sehr schlechtes Bildungssystem, viele Bildungslücken, wirtschaftliche und soziale Probleme. Das sind alles Sachen, die die ganze Gesellschaft betreffen und die wir eigentlich als Gesamtgesellschaft angehen müssten. Was die Politik macht, ist genau das Gegenteil- diese wirtschaftlichen und sozialen Probleme werden auf bestimmte Ethnien und bestimmte Religionen, insgesamt auf den Islam reduziert und dieser Gruppe zugeschrieben. Dabei sind sie zum Beispiel schulisch nicht erfolgreich, nicht weil sie Muslime sind, sondern weil es soziale Probleme in Deutschland gibt, weil unser Bildungssystem keine Chancengleichheit bietet. In Deutschland ist dein schulischer Erfolg zu einem hohen Prozentteil davon abhängig, welcher sozialen Schicht du abstammst. Wenn du aus einer gut situierten Familie kommst, hast du viel mehr Möglichkeiten und höhere Chance das Abitur abzuschließen und danach zu studieren, als jemand, der aus einer finanziell schwachen Familie kommt. Das sind soziale und wirtschaftliche Faktoren, die die gesamte Gesellschaft betreffen und keine Religion und keine Ethnie. Und diese Verantwortung übernehmen die Politiker sehr häufig nicht und versuchen dann ihre eigene Verantwortung einfach einer Religion oder einer Ethnie zuzuschreiben, um sich damit dann selber aus dem Schneider zu machen.

KISMET: Ihre Message an die Politik lautet also…

Dass die Probleme, die ja tatsächlich bestehen verantwortungsbewusst besprochen und diskutiert werden. Und zu ihrem eigenen Vorteil nicht polemisierende Politik zu betreiben, sondern Themen ehrlich angehen.

KISMET: Kann man Sie als eine Motivationsquelle für die jungen Menschen in Deutschland sehen?

Die Augen der Menschen zu öffnen, ihren Horizont zu erweitern- das hat mich immer motiviert. Ihnen die Möglichkeit zu geben sich selber weiterzubilden, sich selbst zu engagieren und sich zu entfalten. Und es ist nämlich sehr häufig so, dass Jugendliche großes Talent haben, riesiges Potenzial für verschiedene Dinge. Aber diese Talente und dieses Potential gar nicht erst entdecken, geschweige denn nützen. Diese Talente schlummern in den Personen und ein Grund dafür ist, dass sie nicht wissen, dass sie sich engagieren können. Sie wissen nicht, wo sie sich engagieren können. Das war auch immer ein Ziel von mir, das zu ändern. (Sie lächelt) Es freut mich sehr, wenn Leute anrufen oder mir schreiben, dass sie auch aktiv werden möchten. Ihnen überhaupt die Möglichkeit zu zeigen, dass sie es können. Dass man mit Migrationshintergrund, mit Kopftuch, als Frau sich weiterbilden kann, sich engagieren kann und positiv in die Öffentlichkeit treten kann, das wissen viele nicht. Es freut mich wirklich sehr, wenn ich solche Rückmeldungen bekomme und ich hoffe, dass es mehr werden, weil ich alleine reiche lange nicht aus und ich will auch nicht ausreichen. Ich will, dass es mehr Leute gibt.

KISMET: Sie haben viel durch ihre journalistische Tätigkeit erreicht und sind sehr bekannt geworden. Haben Sie jedoch ein höheres Ziel im Leben?

Ich habe Metaziele. Ein Stück Welt zu verbessern, da ich ja unter dem Weltverbesserer- Syndrom leide. Aber jetzt so direkte Ziele, wie ich möchte diese Karriere machen, hatte ich eigentlich nie. Ich habe auch immer wenig geplant, sondern immer geschaut, wo kann ich was tun und was macht mir Spaß und wie kann ich beides verbinden. Das hab ich im Journalismus gefunden. Ich kann mir vorstellen akademisch zu arbeiten, anfangen zu zeichnen und mich im künstlerischen Bereich auszuprobieren. Oder auch Modedesignerin zu werden, Buchautorin oder vielleicht weiterhin als Journalistin. Das hängt davon ab in welchem Stadion man sich persönlich befindet.

Das Gespräch führte Nermin Ismail.(Bild: Privat)