Demonstration in Wien: „Nein, nein, Morsi ist nicht allein“

Nermin Ismail, 8. Juli 2013, 22:13 Über 300 Menschen versammelten sich heute Nachmittag, um gegen den Militärputsch zu demonstrieren. Österreichische Ägypter versammelten sich vor der Ägyptischen Botschaft in Wien, um gegen die Machtübernahme der Armee zu demonstrieren. Die ägyptische Flagge mit dem Bild Mohamed Morsis dominiert das Straßenbild. Jung und Alt haben sich am Montag vor der ägyptischen Botschaft in Wien versammelt. Einige Hunderte sind zusammengekommen, um ihren Unmut deutlich zu machen. Sie sind gegen den Militärputsch, der vor wenigen Tagen Ägyptens Präsident Mohammed Morsi von der Spitze des Staates verdrängte. Erst Ende Juni demonstrierte in Wien eine ähnlich große Anzahl von Ägyptern für die Absetzung Morsis und gegen seine Politik. Noch vor zwei Jahren standen die beiden Gruppen hier vereint gegen Mubarak. Nun sind sie gespalten.
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Religion: Wie Muslime Weihnachten feiern

Junge Muslime in Österreich sehen Weihnachten als eine österreichische Tradition, die sie auch zelebrieren wollen. Nur eine religiöse Bedeutung messen sie dem Fest nicht bei.

„Ich liebe Weihnachten“, sagt Salma. Wenn der Geruch von Apfel, Zimt und Weihnachtsgebäck in der Luft liegt und die Straßen liebevoll geschmückt und mit Lichterketten beleuchtet werden, freut sich die 20-Jährige. Salma ist keine Christin, aber in Wien geboren und groß geworden. Und für sie ist die Weihnachtszeit eine schöne Tradition. Der Frage, ob denn auch Muslime Weihnachten feiern, begegnet Salma zu dieser Jahreszeit nicht selten.
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Schlecht in Deutsch? Endstation Sonderschule

Bildung. Rund 30 Prozent der Sonderschüler haben Migrationshintergrund – Experten klagen, dass sie häufig wegen Sprachproblemen vorschnell aus der Regelschule abgeschoben werden. 

Wien. Kommt in Deutsch nicht mit, kann in Mathe nicht folgen, ist auffällig und stört den Unterricht. Ein Befund für Schüler, der allzu oft in die Sonderschule führt. Und ein Weg, der von Kindern mit Migrationshintergrund überproportional häufig beschritten wird: 29,1Prozent der Sonderschüler haben eine nicht deutsche Umgangssprache – das sind 3767 von 13.198 Sonderschülern. „Ja, ganz klar sind die Kinder mit Migrationshintergrund, deren Eltern aus einer bildungsfernen Schicht kommen, benachteiligt“, sagt Bildungsexpertin Heidi Schrodt.
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Islam und Mode: Ein Kopftuch für jeden Stil

Der Begriff “Kopftuch” führt in die Irre – denn es gibt unzählige Arten, wie Muslimas ihren Kopf bedecken. Vier junge Frauen sprechen über ihre Motive, ihren individuellen Stil und wo sie ihre Kopftücher kaufen.

„Brauchst du nicht voll lange, um dieses Tuch zu binden? Und ist es nicht umständlich?“ Mariam steht auf, nimmt das Kopftuch ab, legt es auf den Tisch. Alle Blicke richten sich auf sie – warum macht sie das? „Darunter trage ich eine Art Stirnband, das auch farblich zum Outfit abgestimmt ist“, sagt sie mit ruhiger Stimme und zieht auch dieses runter.

Die 20-Jährige ist nicht das erste Mal bei einer dieser Veranstaltungen, bei denen es um interkulturellen, interreligiösen Dialog geht. Bei denen sie die Chance nutzen will, selbst zu Wort zu kommen – und sich nicht über Medien und Politiker definieren zu lassen. Diesmal ist es ein fraueninterner Workshop im Rahmen einer Veranstaltung zum Thema Islam in Österreich. „Ich wurde immer als Oberösterreicherin gesehen. Jetzt auf einmal bin ich die Ausländerin“, erzählt sie.
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Fehlentscheidungen und ihre „fürchterlichen Folgen“

Buchrezension. Zehn Thesen zum prekären Verhältnis zwischen dem Westen und der islamischen Welt.

Wien. – „Ihr würdet euch wundern, mit wie wenig Verstand die Welt regiert wird.“ Mit diesem Zitat von Papst Julius II. leitet Jürgen Todenhöfer den Leser in eine erbarmungslose Geschichte ein. Ignoranz sei oft genauso gefährlich wie Bosheit. „Viele Fehlentscheidungen des Westens gegenüber der muslimischen Welt hängen mit der Unkenntnis einfachster Fakten zusammen“, fährt Todenhöfer fort.

Geschämt habe er sich immer wieder bei seinen Reisen im Irak, in Afghanistan und weiteren muslimischen Ländern aufgrund des Unsinns, den westliche Politiker und Publizisten über die muslimische Welt verbreiteten. Mit der Scham könne man leben, doch nicht mit den „fürchterlichen Folgen“, die die politische Führung der westlichen Mächte anrichtet.
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„Sunnitischer Islam erlaubt keine islamische Staatsform“


Die Muslimbrüder schlossen Abdel Moneim Abu El-Futuh wegen seiner Entscheidung, bei der Präsidentschaftswahl zu kandidieren, aus

Er fühle sich der Idee trotzdem noch verbunden, sagt er im Gespräch mit Nermin Ismail.

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STANDARD: Sie haben sich nach der Revolution entschieden, als ehemaliger Muslimbruder, für die Präsidentschaftswahl zu kandidieren. Soll Ägypten mit Ihnen als Präsident islamisch werden?

Abu El-Futuh: Ich habe mich entschieden, unabhängig und nicht als Repräsentant der Muslimbrüder zu kandidieren. Auch wenn ich von dieser Organisation getrennt bin, fühle ich mich ihrer Idee noch verbunden. Allerdings wollen alle islamischen Bewegungen in Ägypten keinen islamischen, sondern einen zivilen, demokratischen Staat: eine Verfassung, ein Parlament, welches das Volk repräsentiert und eine Regierung, die demokratisch gewählt ist. Der sunnitische Islam erlaubt keine islamische Staatsform. Deswegen ist die Furcht vieler Menschen, die Islamisten würden einen religiösen Staat installieren, fehl am Platz. Das war und wird nicht sein.

STANDARD: Heißt dies, dass im Islam, Ihrer Auffassung nach, Religion und Politik getrennt sein sollten?
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Freies Lernen und ein Signal für die Gesamtschule

Mit Methodenvielfalt will das GWIKU Haizingergasse die Chancengleichheit fördern

Wien – Die zweite Stunde der 2C im Gymnasium Haizingergasse hat begonnen. Im Pausenraum machen es sich zwei Mädchen am Boden bequem, links von ihnen stehen vier Schüler und besprechen ihre Aufführung bei einer Buchvorstellung. Im hellen Klassenraum herrscht Ruhe, ab und zu ist Geflüster, Geplauder und Gelächter zu hören. Alleine, zu zweit oder in einer Gruppe arbeiten die Kinder an ihren Aufträgen in Mathe, Deutsch oder einem anderen Fach. All das können sie selbst bestimmen, sofern am Übungsblatt nichts anderes angegeben ist.

„Das klappt gut“, erzählt die Klassenlehrerin Brigitte Brauneder. Neben ihr sitzt Markus, der gerade am Computer sein Referat über Astrid Lindgren ausarbeitet. „Es macht viel mehr Sinn, als wenn ich die Tafel vollschreibe“, meint Brauneder. Sie hat die Möglichkeit, sich einzelnen Kindern individuell zu widmen, während die anderen weiterarbeiten. Wichtig ist der Direktorin Renate Knaus dabei die Methodik. „Denn für einen Frontalvortrag, der die Kinder zunehmend nervt, bringen sie auch durch die gesellschaftliche Entwicklung in vielen Ebenen gar nicht mehr die Geduld auf. Die Freiarbeit ist eine adäquate Reaktion darauf.“
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Dudu Kücükgöl: Islam und Feminismus sind kein Widerspruch

Muslimische Frauen werden in der Öffentlichkeit vor allem als Opfer betrachtet. Viele von ihnen wehren sich gegen dieses Bild – sie sehen sich als Feministinnen in der Tradition des Propheten Mohammed.

Wien. Feminismus zielt auf die Gleichstellung von Frau und Mann ab. Er beinhaltet „Handlungen und Haltungen, die die Unterdrückung, Benachteiligung, den Ausschluss und die Marginalisierung von Frauen zu überwinden versuchen“, wie Politikwissenschaftlerin Birgit Sauer sagt. Weiters versuchen Feministinnen, Ungleichheit aufgrund von sozialer Position, Ethnizität, Religion oder sexueller Orientierung aufzuheben. All das sind Anliegen, die auch muslimische Frauen vertreten – und sie erheben diese Forderungen zum Teil auch lautstark.
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Ein Vorzeigemodell für den Islamunterricht

Studenten lernen, Verantwortung für die Bildung und Ausbildung muslimischer Kinder zu übernehmen

Wien – Die Glocke läutet, die Schüler stürmen in die Klasse hinein. Hedija Hadzic betritt den Klassenraum. „Schritt für Schritt lebt man sich in den Schulalltag hinein. Je öfter man unterrichtet, desto besser fühlt man sich“, berichtet die 23-Jährige von ihrer schulpraktischen Zeit. Denn schon vom ersten Semester an musste die Lehramtsstudentin im Zuge des privaten Studiengangs für Islamische Religion an Pflichtschulen schulpraktische Studien absolvieren.

Hedija war 18, als sie sich kurzfristig für die Ausbildung entschied. Jetzt steht sie kurz vor ihrer Bachelorprüfung. „Ethik im Religionsunterricht“ ist der Titel ihrer Abschlussarbeit, die sowohl theoretische als auch praktische Elemente dieser Thematik behandelt. Das hat sie bewusst so entschieden, denn „es soll für die Religionslehrer im Unterricht nützlich und umsetzbar sein. Wir haben noch lange nicht ausreichende Materialien.“
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„Das Kopftuch ist wie ein Piercing“

Unterdrückt, ungebildet, unterwürfig: So stellt man sich eine Frau mit Kopftuch vor – Die Realität sieht anders aus: Viele muslimische Frauen sind gebildet, selbstbestimmt und emanzipiert – und stehen zu ihrem Glauben

Wien – Montag, 18 Uhr, vor der Haupt-Uni. Eine Gruppe StudentInnen unterhält sich angeregt. Durch ihr energisches, selbstbewusstes Auftreten fällt eine von ihnen besonders auf: Asma Aiad, 22-jährige Politikwissenschaftsstudentin. Sie trägt weiße Sneakers, Jeans, eine beige Tunika, eine extravagante Brille – und ein pinkes Kopftuch. Dem Klischee eines unterdrückten „Kopftuchmädchens“ entspricht sie ganz und gar nicht. „Als muslimische Frau mit dunkler Hautfarbe musste ich mich doppelt und dreifach behaupten“, erzählt Aiad. Das habe ihr Selbstvertrauen gestärkt.
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