Die Hoffnung ist dahin

Hamza Namira, ein gesellschaftskritischer ägyptischer Sänger, hat ein neues Lied auf den Markt gebracht. Er drückt die Wut, die Trauer und das Leid vieler Ägypter aus. Vor allem aber auch spricht er die Zerspaltung des ägyptischen Volkes an und ihre Hoffnungslosigkeit.
„Ich will nie wieder nach Ägypten“, teilte mir eine Freundin, nach ihrem letzten Aufenthalt in Kairo, mit. Die Menschen seien frustriert wie noch nie zuvor. Die Hoffnung sei dahin. Genau diese Gefühle versucht Namira in seinem neuen Song: „Und was soll ich dir nur sagen?“ musikalisch auszudrücken. Weiterlesen

Der Geburtstag Muhammads sas.

Letzte Woche habe ich an einem Beitrag für Religionen der Welt gearbeitet. Um im Vorhinein ein wenig die Haltung zum Feiern des Geburtstag des Propheten zu erfahren, habe ich auf Facebook mal die Frage gestellt: „Wer feiert den Geburtstag des Propheten?“ Es kamen unterschiedlichste Antworten. Die einen meinten: „Ja!“, die anderen: „Nein!“, andere wiederum antworteten mit dem Wort: Bid´a. Das ist eine Art Erneuerung in der Religion, die keine Grundlage hat. Das ist sehr interessant, vor allem deswegen, weil jeder eine bestimmte Vorstellung vom Begriff „feiern“ hat, die der es anderen möglicherweise ganz fremd ist.

Der von mir gestaltete Beitrag zum Geburtstag des Propheten Muhammad im ORF.

Der Geburtstag des Propheten wird so oder so als Anlass genommen, um an ihn zu denken und an seinem Leben. Weiterlesen …

Elternabend

Lehrer: „Naja schauen sie. Er ist eh gescheit. Und wie ich sehe, sprechen sie ja auch so gut Deutsch. Es kann also nicht an der Sprache liegen. Er versteht ja Deutsch. Er ist kein Dummer. Gell Karim, du verstehst eh alles, oder?“

Schüler: „Naja manchmal sind sie sehr schnell und da komme ich nicht mit.“

Lehrer: „Na aber deine Schwester spricht doch auch sehr gut Deutsch. Welche Sprache sprecht ihr denn daheim?“

Ältere Schwester: „Ich will nur kurz klarstellen, es geht nicht um die Sprache. Es geht darum, dass Sie ihm einfach zu schnell sind und, dass er oft nicht mitkommt.“

Lehrerin: „Verstehe. Aber sie sprechen ja Deutsch zu Hause, oder?“

Brüssel – Die Stadt der Europäischen Union

Eine Studienreise
Das fehlende Wissen über die Europäische Union ist ein großes Problem, mit dem die EU zu kämpfen hat. Gefühlte Wahrheiten wie: „Vor dem Euro war alles billiger“, werden teilweise auch von Medien bestärkt und eine negative Stimmung wird verbreitet. Weiterlesen …

Nationalratswahlen 2013

Das Ergebnis war wenig überraschend, denn der Schaden war schon längst angerichtet. SPÖ u ÖVP haben seit dem EU Beitritt verabsäumt, zu erklären, warum eine EU-Mitgliedschaft Sinn macht und notwendig ist, und wie Ö eigentlich davon profitiert hat. Ohne eine emotionale Anbindung wird es schwer gefühlten Wahrheiten wie „in –Schilling-Zeiten war alles billig“ rationale Argumente entgegenzuwirken, und damit auch bei den Leuten anzukommen. Wie in vielen Bereichen – Integration z.B. wurde das Feld kampflos den Rechtspopulisten überlassen. Weiterlesen …

Dian Pelangi in Wien

Mit nur 21 Jahren die größte Modedesignerin Indonesiens. Dian Pelangi ist die Modeschöpferin Südostasiens schlechthin. Sie ist mittlerweile in der gesamten nicht nur muslimischen Modeszene bekannt und bringt immer wieder Farbe und Innovation in die traditionelle indonesische und muslimische Mode. Weiterlesen …

Demonstration in Wien: „Nein, nein, Morsi ist nicht allein“

Nermin Ismail, 8. Juli 2013, 22:13 Über 300 Menschen versammelten sich heute Nachmittag, um gegen den Militärputsch zu demonstrieren. Österreichische Ägypter versammelten sich vor der Ägyptischen Botschaft in Wien, um gegen die Machtübernahme der Armee zu demonstrieren. Die ägyptische Flagge mit dem Bild Mohamed Morsis dominiert das Straßenbild. Jung und Alt haben sich am Montag vor der ägyptischen Botschaft in Wien versammelt. Einige Hunderte sind zusammengekommen, um ihren Unmut deutlich zu machen. Sie sind gegen den Militärputsch, der vor wenigen Tagen Ägyptens Präsident Mohammed Morsi von der Spitze des Staates verdrängte. Erst Ende Juni demonstrierte in Wien eine ähnlich große Anzahl von Ägyptern für die Absetzung Morsis und gegen seine Politik. Noch vor zwei Jahren standen die beiden Gruppen hier vereint gegen Mubarak. Nun sind sie gespalten.
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Marwa wir gedenken Dir

Sie ist vielleicht gestorben. Wir kämpfen weiter. Für sie und für alle anderen.

Marwa El-Sherbini ist nicht die Einzige, die Diskriminierung erfahren hat. Sie ist nicht die Einzige, die sich dagegen gewehrt hat. Sie wollte die Ungerechtigkeit, die ihr angetan wurde, nicht verschweigen. Sie war standhaft. Sie vertraute der Justiz. Sie vertraute dem Staat. Und sie hätte niemals geahnt, dass sie an dem Ort, an dem sie Gerechtigkeit erfahren soll, ermordet wird. Mitten im Gerichtssaal.

Tod im Gericht
Marwa El- Sherbini war Mutter. Vor ihrem dreijährigen Sohn wurde sie erstochen. „Terroristin! Islamistin!“, rief Alex W. ihr zu, als sie ihn fragte, ob er nicht die Schaukel für ihr Kind freigeben könne. Menschen wie sie hätten in Deutschland nichts verloren. Eltern beobachteten das Geschehen und gaben Marwa ihr Handy, damit sie die Polizei verständigt. Weiterlesen …

30 Jahre islamischer Religionsunterricht in Österreich

Weltweit gibt es Millionen Kinder, denen etwas fehlt. Vielen von ihnen werden die Grundbedürfnisse gestillt, doch mangelt es ihnen an einer grundlegenden Sache. Auch in Europa gibt es nach wie vor Millionen Kinder, denen dieser essentielle Lebensbestandteil abgeht. …Sie haben keinen Zugang zu professioneller religiöser Bildung.

Obwohl der Islam schon seit Jahrhunderten die europäische Kunst, Kultur und Wissenschaft mitgeprägt hat, besteht noch ein großer Nachholbedarf in der rechtlichen und gesellschaftlichen Anerkennung von Muslimen in Westeuropa. Die institutionalisierte Gleichstellung des Islam mit anderen Religionsgemeinschaften ist derzeit flächendeckend nur in Österreich umgesetzt worden: schon vor mehr als hundert Jahren wurde das Islamgesetz in der österreichischen Verfassung verankert. Eine Besonderheit, auf die Österreichs Muslime stolz sind. Weiterlesen …

Die Trennung: Ein Witz

(c) Nermin IsmailBei einem Spaziergang mit meinen liebsten Freundinnen in der Altstadt Salzburgs erblicke ich einen Wagen mit einem großen Aufkleber, worauf ein gebrochenes Herz zu sehen ist. Drunter steht: Trennungsagentur. Ich zeige darauf hin und muss es belächeln. Wir lachen. Ich frage mich: Wie absurd ist denn das jetzt? Ja, ich kenne Singlebörsen und Verkupplungsagenturen. Aber Trennungsbörsen, die sind mir neu. Umso interessanter. Drei ältere Männer in Anzug blicken zu uns. Hab ich zu laut gesprochen? Oder war es mein sonderbares Lachen, das ihre Aufmerksamkeit auf uns zog?
Einer der Mitte 60- Jährigen bleibt kurz vor den zwei anderen Herren stehen und sagt in einer tiefen Stimme: „Schatz!“ Ich bin irritiert. Ich lausche. „Bald ist unsere silberne Hochzeit. Was wünscht du dir?“ Seine Stimme geht plötzlich in die Höhe: „Die Scheidung.“ Und wieder in die Tiefe: „Na. So viel wollte ich auch wieder nicht ausgeben.“ Wir kichern. Alle sechs. Dann atmen wir auf, wenden uns langsam ab und lachen weiter. Unsere Wege trennen sich, doch unser Gelächter war noch zu hören.

Das liebe ich an Menschen. Diese Gelassenheit. Mit anderen Menschen zu spaßen, sie auf der Straße anzusprechen und gemeinsam zu lachen. Wie wunderbar ist das und wie sehr bringt es uns zusammen.
(c) Nermin Ismail