Mitschwimmen um jeden Preis

„Wenn du nicht kommst, haben alle umsonst trainiert“, sagt die junge Lehrerin ihrer Schülerin. Sie will sie ja nicht überreden, sondern ihr nur klarmachen: „Es ist doch ganz egal ob du in dem Ding oder im Badeanzug schwimmst.“ Das muss die Schülerin verstehen und sie soll sich gefälligst anpassen, nicht so stur sein. Ilayda Demirel will im Burkini (Gankörperbadeanzug) schwimmen. „Ich mache das nicht. Ich schwimme nicht im Badeanzug vor all den Leuten und all den Kameras“, sagt sie überzeugt.

Weiterlesen

Pass­kon­trolle in Ams­ter­dam: Ihr Gesicht ohne Tuch, bitte!

Auf mei­ner Reise nach Ame­rika

Sor­gen- habe ich mir eigent­lich keine gemacht. Was soll schon pas­sie­ren? Ich könnte ver­däch­tigt wer­den? Mir könn­ten komi­sche Fra­gen gestellt wer­den? Viel­leicht wol­len Sie wis­sen ob ich Ver­bin­dun­gen zu ter­ro­ris­ti­schen Orga­ni­sa­tio­nen habe, oder ob ich schon mal in Afgha­nis­tan oder Pakis­tan war. Aber so wie ich bin, gehe ich immer vom Guten aus. Alles wird gut lau­fen. Warum soll ich mir im Vor­hin­ein Sor­gen machen? Mich fer­tig machen? Alle worst-case sce­na­rios im Kopf durch­spiele las­sen. Wozu bitte? Ich mache mich zwar auf alles gefasst, bin aber mit einer posi­ti­ven Ein­stel­lung von zu Hause los­ge­gan­gen.

Aber wenn schon was geschieht, dann in Ame­rika, nicht in Wien, nicht in Ams­ter­dam. Doch irgend­wie kam es anders.
Weiterlesen …

Islam und Mode: Ein Kopftuch für jeden Stil

Der Begriff “Kopftuch” führt in die Irre – denn es gibt unzählige Arten, wie Muslimas ihren Kopf bedecken. Vier junge Frauen sprechen über ihre Motive, ihren individuellen Stil und wo sie ihre Kopftücher kaufen.

„Brauchst du nicht voll lange, um dieses Tuch zu binden? Und ist es nicht umständlich?“ Mariam steht auf, nimmt das Kopftuch ab, legt es auf den Tisch. Alle Blicke richten sich auf sie – warum macht sie das? „Darunter trage ich eine Art Stirnband, das auch farblich zum Outfit abgestimmt ist“, sagt sie mit ruhiger Stimme und zieht auch dieses runter.

Die 20-Jährige ist nicht das erste Mal bei einer dieser Veranstaltungen, bei denen es um interkulturellen, interreligiösen Dialog geht. Bei denen sie die Chance nutzen will, selbst zu Wort zu kommen – und sich nicht über Medien und Politiker definieren zu lassen. Diesmal ist es ein fraueninterner Workshop im Rahmen einer Veranstaltung zum Thema Islam in Österreich. „Ich wurde immer als Oberösterreicherin gesehen. Jetzt auf einmal bin ich die Ausländerin“, erzählt sie.
Weiterlesen …

„Das Kopftuch ist wie ein Piercing“

Unterdrückt, ungebildet, unterwürfig: So stellt man sich eine Frau mit Kopftuch vor – Die Realität sieht anders aus: Viele muslimische Frauen sind gebildet, selbstbestimmt und emanzipiert – und stehen zu ihrem Glauben

Wien – Montag, 18 Uhr, vor der Haupt-Uni. Eine Gruppe StudentInnen unterhält sich angeregt. Durch ihr energisches, selbstbewusstes Auftreten fällt eine von ihnen besonders auf: Asma Aiad, 22-jährige Politikwissenschaftsstudentin. Sie trägt weiße Sneakers, Jeans, eine beige Tunika, eine extravagante Brille – und ein pinkes Kopftuch. Dem Klischee eines unterdrückten „Kopftuchmädchens“ entspricht sie ganz und gar nicht. „Als muslimische Frau mit dunkler Hautfarbe musste ich mich doppelt und dreifach behaupten“, erzählt Aiad. Das habe ihr Selbstvertrauen gestärkt.
Weiterlesen …

Kopf der Woche: Ilham Moussaid

Anfang Februar wurde eine junge Muslimin als Kandidatin der Neuen Antikapitalistischen Partei im französischen Avignon präsentiert. Dieser Schritt brachte viel Trubel, rund um die ständige Diskussion des Kopftuches in Frankreich, mit sich.

Die neue antikapitalistische Partei (NPA- Nouveau Parti Anticapitaliste) besteht erst seit einem Jahr und hat jüngst für viel Aufsehen gesorgt. Durch die Kandidatur einer jungen Politikerin mit Kopftuch zur Regionalwahl, entstand angesichts der Kopftuchdebatte in Frankreich eine heftige Diskussion. Eine ungewöhnliche Entscheidung für eine Partei, die auf kommunistische Ideale basiert und sich u.a. auf eine anti-religiöse Grundlage stützt. Dazu kommt, dass nicht nur außerhalb der Partei starke Kritik ausgeübt wurde, sondern auch innerhalb der neuen Partei.

Jung, selbstbewusst, politisch aktiv und Muslimin mit Kopftuch. Die 21- jährige Ilham Moussaid zeigt sich empört über die Reaktionen auf ihren Antritt. Sie ist traurig „zu sehen, dass acht Jahre meines Lebens auf mein Kopftuch reduziert werden… zu sehen, dass mein persönlicher Glaube eine Gefahr für andere darstellt, während ich für Freundschaft, Respekt, Toleranz , Solidarität und Gleichwertigkeit aller Menschen kämpfe.“

Sie erzählt lächelnd, dass sie verstehe, dass man sie beschützen wolle, doch die Frage, die sich an dieser Stelle bietet ist: Wovor? Die in Marokko geborene Betriebswirtschaft-Studentin vertraut den LeserInnen in einem Interview mit der französischen Tageszeitung an: „Die Werte, die mir meine Eltern vermittelten sind die Gleichberechtigung, Gerechtigkeit und Solidarität.“

Reaktionen auf die junge Politikerin

Obwohl Moussaid mit der Unterstützung der Mehrheit ihrer Partei gerechnet hat, lehnen 15 Mitglieder das Kopftuch ab. Bemerkenswert ist die Reaktion der Feministinnen. Seit 2005 besteht die Organisation „Ni putes Ni Soumises“, die sich für Frauen und ihre Rechte einsetzt. Wie die französische Tageszeitung Le Monde berichtet, will diese gegen die Kandidatur Beschwerde einlegen, da sie diese Aktion als „eine anti-feministische, anti-laizistische und anti-republikanische Einstellung“ betrachten.

„Ich hab oft genug gesagt und erklärt, dass ich nicht unterdrückt werde, und ich glaube, dass sich hier sehen lässt, dass ein Mangel an Verständnis besteht“, so Moussaid. Betrachten viele das Kopftuch doch als Symbol der Unterdrückung der Frau.

Allerdings teilte die Partei mit, dass die Entscheidung Ilham auf die Liste zu stellen nur von den Parteimitgliedern in Vaucluse beschlossen wurde. Zudem sei die Nominierung nicht als nationale Entscheidung der NPA zu verstehen. Junge muslimische Frauen werden in den europäischen Gesellschaften aktiv und präsent, doch die große Barriere ist das Kopftuch. Werden sie sich zwischen Religion und Aktivismus entscheiden müssen?

Nadia El Bouroumi, Stadträtin der Opposition von Avignon schildert die Situation der jungen MuslimInnen in Frankreich und betont im Interview mit der französischen Tageszeitung: „Die Muslime meiner Generation versuchen um jeden Preis so wie die anderen zu sein. Ilham’s Generation hat keine Komplexe.“ Pierre Golard, Kopf der regionalen Liste war genauso zuversichtlich wie vor einigen Tagen und meinte Ilham hätte den Schock gut überstanden. Er fürchtet nur mögliche gewalttätige Angriffe.