Vergangener Sonntag in Paris…

Die Attentate von Paris haben mich vor allem als Mensch und als Journalistin erschüttert. Nachdem ich von der Reise der Muslimischen Jugend gehört habe und mich spontan entschlossen habe mitzufahren, um diese geschichtsträchtigen Momente in Paris festzuhalten, gestaltete ich diesen Beitrag für den ORF.

Eine sehr berührende Erfahrung. Eine sehr besondere Geschichte.

 

Kann jeder Deutsch-Sein?

Betül Ulusoy schreibt über die traurige Geschichte eines Freundes aus Cottbus in Deutschland und die Reaktion des Bundespräsidenten auf seine Geschichte. Ein Text über das Empfinden einer deutschen Aktivistin, über Alltagsrassismus, Islamophobie und Lichtblicke.
Betül Ulusoy mit Joachim Gauck
Betül Ulusoy mit Joachim Gauck

Am Montag war ich zu einer ganz wundervollen Freundin zum Fastenbrechen eingeladen – bis heute ist nämlich noch die Fastenzeit der Bahai – und wir hatten einen ganz wunderbaren, herzlichen und lustigen interreligiösen Abend mit vielen Gesprächen sprichwörtlich über Gott und die Welt. Es wurde spät und nach einem Abschieds-Selfie (natürlich!) wurde es dann leider doch sehr ernst und traurig, als ein Freund – es gibt selten so herzensgute Menschen auf dieser Welt – davon erzählte, was ihm vor einiger Zeit in Cottbus widerfahren ist. Weiterlesen

Die Hoffnung ist dahin

Hamza Namira, ein gesellschaftskritischer ägyptischer Sänger, hat ein neues Lied auf den Markt gebracht. Er drückt die Wut, die Trauer und das Leid vieler Ägypter aus. Vor allem aber auch spricht er die Zerspaltung des ägyptischen Volkes an und ihre Hoffnungslosigkeit.
„Ich will nie wieder nach Ägypten“, teilte mir eine Freundin, nach ihrem letzten Aufenthalt in Kairo, mit. Die Menschen seien frustriert wie noch nie zuvor. Die Hoffnung sei dahin. Genau diese Gefühle versucht Namira in seinem neuen Song: „Und was soll ich dir nur sagen?“ musikalisch auszudrücken. Weiterlesen

Köpfe der Zukunft: Sineb El-Masrar

In einer neuen KISMET-Serie stellt das Onlinemagazin erfolgreiche muslimische Frauen aus Europa vor. Den Beginn macht die deutsche Publizistin Sineb El-Masrar. Sie spricht über ihr Leben und wie sie sich die Zukunft vorstellt.

KISMET: Sie haben als eine von ersten Frauen in Deutschland ein eigenes Medium für die muslimische Frau in Deutschland auf die Beine gestellt. Wie sind Sie erst mal auf die Idee gekommen „Gazelle“ zu gründen?

El-Masrar: Gazelle ist kein Frauenmagazin nur für muslimische Frauen. Es bezieht allerdings als erstes Frauenmagazin in Deutschland gezielt auch diese Frauen mit ein – sowohl bei der Themenauswahl als auch beim Personal. Gazelle aus einem einzigen Bedürfnis entstanden: Nämlich die Lebensrealität Deutschlands in einem Frauenmagazin abzubilden. Und diese ist multikulturell geprägt. 2006, als Gazelle auf den Markt erschien, war und ist es anderen Frauenmagazin noch nicht gelungen.

KISMET: Sie haben einen großen Erfolg mit ihrem Magazin erzielt. Hat es auf ihrem beruflichen Weg Hindernisse gegeben, die Ihnen den Aufstieg erschwerten?

Der Erfolg ist der Nachfrage zu verdanken, die logischerweise bei der Zielgruppe Frauen besteht. Hindernisse gibt es vor allem noch bei den Anzeigenkunden, die sich schwer vorstellen können, dass Frauen mit einem Migrationshintergrund über Geld verfügen und es eigenhändig für Autos, Reisen, Kosmetika oder Kleidung ausgeben. Da ist noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten.

KISMET: Womit beschäftigt sich das Magazin und wie schaut Ihr Team aus? Gibt es einen bestimmten Grundsatz, den „Gazelle“ verfolgt.

El-Masrar: Gazelle greift Themen auf, die Frauen interessieren. Gesundheit, Kultur oder Mode sind genauso vertreten wie in anderen Medien. Es werden Produkte oder Mode vorgestellt, die beispielsweise für dunklen Teint geeignet sind oder für Kopftuchträgerinnen. Nebenbei greifen wir gesellschaftsrelevante Themen auf, die aus der Lebensrealität der Frauen entspringen. Wie gestaltet sich heute eine Partnerschaft; wie erziehe ich meine Kinder bilingual; wie geht man mit dem Tod seiner ausländischen Eltern um oder wie schaffe ich es allein erziehend meinen beruflichen Weg zu gehen. Und vieles mehr. Bei uns ist es einfach immer wieder spannender und vielfältiger. Das haben wir vor allem dem Team zu verdanken, die selbst unterschiedliche Zugänge zur Gesellschaft haben, über Empathie verfügen und dadurch einfach aus einem viel größeren Fundus schöpfen können. Unsere Autoren sind daher nicht nur deutschstämmig, sondern auch russisch, arabisch, persisch oder asiatischstämmig.

KISMET: In einem Interview erzählten Sie von ihrer Erfahrung und gleichzeitig die anderer Jugendlichen und sagten: „Dauernd stellte sich uns die Frage der Identität, wir lebten mit verwandten Brüchen“. Haben Sie nun eine Antwort gefunden? Was wollen Sie den Jugendlichen in Deutschland, die genau mit solchen Problemen konfrontiert sind, heute mitgeben?

El-Masrar: Es ist und bleibt ein Prozess, den übrigens jeder Jugendliche durchlebt. Auch ohne Migrationshintergrund. Wenn aber jeder, der einen ausländischklingenden Namen oder dunkleren Teint hat nach seiner Herkunft gefragt wird, und sich deshalb wegen Diktatur oder Terror rechtfertigen muss, dann zeigt es vor allem, dass der Fragende noch einen langen Weg vor sich hat. Denn Schwarzköpfe – Aischas, Mehmets und Ivans, sind genauso Deutsch oder Österreichisch wie die anderen in dem Land auch. Und dieses Selbstbewusstsein, sollten sich die jungen Menschen aneignen, statt sich infrage zu stellen. Denn wichtiger sollte vielmehr die Persönlichkeit eines jeden einzelnen sein, statt seine Herkunft.

KISMET: „Muslim Girls“ nennen Sie Ihr heuer veröffentlichtes Buch, in dem Sie vom Alltag muslimischer Mädchen schreiben. Wie schaut dieser aus und wird sich hier noch in Zukunft viel ändern?

El-Masrar: Wie der Alltag von Frauen und Mädchen eben aussieht. Vielfältig und vor allem spannend! Die Mehrheit dieser Frauen und Mädchen sind bemerkenswert. Wie sie trotz aller Hürden und Startschwierigkeiten, die sie manchmal ihren Eltern oder der gesellschaftlichen Strukturen zu verdanken haben, ihre Ziele mit viel Durchhaltewillen erreichen. Das ist nicht nur inspirierend sondern auch vorbildlich. Statt sie bemitleiden verdienen sie großen Respekt!

KISMET: Gibt es eine bestimmte Message, die Sie durch Ihre Arbeit verbreiten wollen? Einerseits an die Menschen mit Migrationshintergrund und andererseits an die deutsche community?

El-Masrar: Jeden mit dem Respekt begegnen, den man sich auch von seinem Gegenüber wünscht. Und dem Gegenüber zuhören, statt ihn mit seinem vorgefertigten Bild zu nerven. Das gilt für beide Seiten – ohne Ausnahme.

KISMET: Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

El-Masrar: Zufrieden mit dem was ich mache.

KISMET: Was wünschen Sie sich für, die immer aktuelle und hitzig diskutierte, Integrationsdebatte in Europa?

El-Masrar: Mehr Besonnenheit und vor allem Aufrichtigkeit.

KISMET: Abschließend noch eine etwas provokante Frage: Glauben Sie, würde sich Herr Thilo Sarrazin freuen Sie kennenzulernen oder wären Sie für ihn noch nicht integriert genug?

El-Masrar: Mich meint er ja nicht. Nur die anderen…

Das Gespräch führte Nermin Ismail.(Bild: Privat)