Die Hoffnung ist dahin

Hamza Namira, ein gesellschaftskritischer ägyptischer Sänger, hat ein neues Lied auf den Markt gebracht. Er drückt die Wut, die Trauer und das Leid vieler Ägypter aus. Vor allem aber auch spricht er die Zerspaltung des ägyptischen Volkes an und ihre Hoffnungslosigkeit.
„Ich will nie wieder nach Ägypten“, teilte mir eine Freundin, nach ihrem letzten Aufenthalt in Kairo, mit. Die Menschen seien frustriert wie noch nie zuvor. Die Hoffnung sei dahin. Genau diese Gefühle versucht Namira in seinem neuen Song: „Und was soll ich dir nur sagen?“ musikalisch auszudrücken. Weiterlesen

Nationalratswahlen 2013

Das Ergebnis war wenig überraschend, denn der Schaden war schon längst angerichtet. SPÖ u ÖVP haben seit dem EU Beitritt verabsäumt, zu erklären, warum eine EU-Mitgliedschaft Sinn macht und notwendig ist, und wie Ö eigentlich davon profitiert hat. Ohne eine emotionale Anbindung wird es schwer gefühlten Wahrheiten wie „in –Schilling-Zeiten war alles billig“ rationale Argumente entgegenzuwirken, und damit auch bei den Leuten anzukommen. Wie in vielen Bereichen – Integration z.B. wurde das Feld kampflos den Rechtspopulisten überlassen. Weiterlesen …

„Sunnitischer Islam erlaubt keine islamische Staatsform“


Die Muslimbrüder schlossen Abdel Moneim Abu El-Futuh wegen seiner Entscheidung, bei der Präsidentschaftswahl zu kandidieren, aus

Er fühle sich der Idee trotzdem noch verbunden, sagt er im Gespräch mit Nermin Ismail.

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STANDARD: Sie haben sich nach der Revolution entschieden, als ehemaliger Muslimbruder, für die Präsidentschaftswahl zu kandidieren. Soll Ägypten mit Ihnen als Präsident islamisch werden?

Abu El-Futuh: Ich habe mich entschieden, unabhängig und nicht als Repräsentant der Muslimbrüder zu kandidieren. Auch wenn ich von dieser Organisation getrennt bin, fühle ich mich ihrer Idee noch verbunden. Allerdings wollen alle islamischen Bewegungen in Ägypten keinen islamischen, sondern einen zivilen, demokratischen Staat: eine Verfassung, ein Parlament, welches das Volk repräsentiert und eine Regierung, die demokratisch gewählt ist. Der sunnitische Islam erlaubt keine islamische Staatsform. Deswegen ist die Furcht vieler Menschen, die Islamisten würden einen religiösen Staat installieren, fehl am Platz. Das war und wird nicht sein.

STANDARD: Heißt dies, dass im Islam, Ihrer Auffassung nach, Religion und Politik getrennt sein sollten?
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Kopf der Woche: Ilham Moussaid

Anfang Februar wurde eine junge Muslimin als Kandidatin der Neuen Antikapitalistischen Partei im französischen Avignon präsentiert. Dieser Schritt brachte viel Trubel, rund um die ständige Diskussion des Kopftuches in Frankreich, mit sich.

Die neue antikapitalistische Partei (NPA- Nouveau Parti Anticapitaliste) besteht erst seit einem Jahr und hat jüngst für viel Aufsehen gesorgt. Durch die Kandidatur einer jungen Politikerin mit Kopftuch zur Regionalwahl, entstand angesichts der Kopftuchdebatte in Frankreich eine heftige Diskussion. Eine ungewöhnliche Entscheidung für eine Partei, die auf kommunistische Ideale basiert und sich u.a. auf eine anti-religiöse Grundlage stützt. Dazu kommt, dass nicht nur außerhalb der Partei starke Kritik ausgeübt wurde, sondern auch innerhalb der neuen Partei.

Jung, selbstbewusst, politisch aktiv und Muslimin mit Kopftuch. Die 21- jährige Ilham Moussaid zeigt sich empört über die Reaktionen auf ihren Antritt. Sie ist traurig „zu sehen, dass acht Jahre meines Lebens auf mein Kopftuch reduziert werden… zu sehen, dass mein persönlicher Glaube eine Gefahr für andere darstellt, während ich für Freundschaft, Respekt, Toleranz , Solidarität und Gleichwertigkeit aller Menschen kämpfe.“

Sie erzählt lächelnd, dass sie verstehe, dass man sie beschützen wolle, doch die Frage, die sich an dieser Stelle bietet ist: Wovor? Die in Marokko geborene Betriebswirtschaft-Studentin vertraut den LeserInnen in einem Interview mit der französischen Tageszeitung an: „Die Werte, die mir meine Eltern vermittelten sind die Gleichberechtigung, Gerechtigkeit und Solidarität.“

Reaktionen auf die junge Politikerin

Obwohl Moussaid mit der Unterstützung der Mehrheit ihrer Partei gerechnet hat, lehnen 15 Mitglieder das Kopftuch ab. Bemerkenswert ist die Reaktion der Feministinnen. Seit 2005 besteht die Organisation „Ni putes Ni Soumises“, die sich für Frauen und ihre Rechte einsetzt. Wie die französische Tageszeitung Le Monde berichtet, will diese gegen die Kandidatur Beschwerde einlegen, da sie diese Aktion als „eine anti-feministische, anti-laizistische und anti-republikanische Einstellung“ betrachten.

„Ich hab oft genug gesagt und erklärt, dass ich nicht unterdrückt werde, und ich glaube, dass sich hier sehen lässt, dass ein Mangel an Verständnis besteht“, so Moussaid. Betrachten viele das Kopftuch doch als Symbol der Unterdrückung der Frau.

Allerdings teilte die Partei mit, dass die Entscheidung Ilham auf die Liste zu stellen nur von den Parteimitgliedern in Vaucluse beschlossen wurde. Zudem sei die Nominierung nicht als nationale Entscheidung der NPA zu verstehen. Junge muslimische Frauen werden in den europäischen Gesellschaften aktiv und präsent, doch die große Barriere ist das Kopftuch. Werden sie sich zwischen Religion und Aktivismus entscheiden müssen?

Nadia El Bouroumi, Stadträtin der Opposition von Avignon schildert die Situation der jungen MuslimInnen in Frankreich und betont im Interview mit der französischen Tageszeitung: „Die Muslime meiner Generation versuchen um jeden Preis so wie die anderen zu sein. Ilham’s Generation hat keine Komplexe.“ Pierre Golard, Kopf der regionalen Liste war genauso zuversichtlich wie vor einigen Tagen und meinte Ilham hätte den Schock gut überstanden. Er fürchtet nur mögliche gewalttätige Angriffe.